Barbara Hacke zeigt ihr gestohlenes Portemonnaie. Die Diebe drückten erst den Notknopf und nutzten dann das Überraschungsmoment für ihre Tat.
© Thomas Lebie
Es ist Sonnabend, gegen 16.30 Uhr. Das Paar kommt aus dem Botanischen Garten und fährt mit der U-Bahn vom Rathaus Steglitz zum Bundesplatz, um mit der S-Bahn nach Hause nach Köpenick zu fahren. Auf der Rolltreppe zum S-Bahnhof passierte es. „Plötzlich stoppte die Rolltreppe und ich ließ meine Umhängetasche los, um mich am Fahrgeländer festzuhalten“, erzählt Barbara Hacke. „Dann war ein Mann dicht hinter mir.“
Ihr Lebensgefährte Horst Mögling (77), der vor ihr auf der Rolltreppe stand: „Aber genauso schnell war der Mann an uns auch vorbei.“ Erst da bemerkt Barbara Hacke, dass ihre Tasche offen steht – das Portemonnaie war gestohlen. „Ich wollte die Karte sofort sperren, hatte aber weder Bankleitzahl noch Kontonummer im Kopf.“
Erst eine Stunde später zu Hause sperren sie das Konto – zu spät. Schon vier Minuten nach dem Überfall wurde Geld von der Karte abgehoben – insgesamt 1000 Euro.
Kriminalhauptkommissar Martin Dams zum KURIER: „Oft sind es mehrere Täter. Während einer die Rolltreppe über den Not-Riegel stoppt, schleicht sich der andere an sein Opfer heran. Die Irritation des Haltens ausnutzend, wird es bestohlen. Taschen sollten immer eng am Körper getragen und festgehalten werden.“
Die Sparda Bank, bei der Barbara Hacke seit Jahren treue Kundin ist, will den Schaden nicht übernehmen. „Die Möglichkeit einer Entschlüsselung der PIN ist in einer so kurzen Zeit zwischen Diebstahl und missbräuchlicher Verfügung auszuschließen“, heißt es in einem Schreiben. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Karteninhaberin selbst die Abhebung vorgenommen hat oder dass Täter Kenntnis von der Geheimzahl hatten.“
Barbara Hacke ist enttäuscht. „Ich habe die PIN-Nummer im Kopf und nicht im Portemonnaie.“ Laut Polizei spähen Diebe Opfer oft schon vorher aus, etwa beim Eintippen der Geheimzahl an der Supermarkt-Kasse, um später die Karte zu stehlen.
Einen Trost hat die Rentnerin. Eine Frau hat am Bundesplatz ihr Portemonnaie mit Dokumenten ohne ec-Karte im Papierkorb gefunden. Es sei das 8. Portemonnaie seit März, sagt die Flaschensammlerin, die anonym bleiben will. Reiche Beute für die Rolltreppen-Bande.
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