Ausgebuddelt

Lenin zurück von der Müllhalde der Geschichte

Nach 24 Jahren wurde sein Kopf im Köpenicker Forst ausgebuddelt, jetzt ist er im Westen.

NORBERT KOCH-KLAUCKE
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Ankunft im Westen: Lenins Kopf wird in der Zitadelle Spandau ausgepackt, im Innenhof aufgestellt.

Ankunft im Westen: Lenins Kopf wird in der Zitadelle Spandau ausgepackt, im Innenhof aufgestellt.

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Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, als Lenin wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Drei Tage lang buddelten Bauleute nach ihm. Gegen 9.30 Uhr hängt der 1,70 Meter hohe Kopf endlich am Bagger-Haken, wird aus seinem Grab im Wald geholt. Märkischer Sand rieselt aus Lenins Augen, als der Schädel auf einen Laster gehievt wird.

Bei der Aktion durften nun endlich auch Journalisten dabei sein. Zu den Auserwählten gehörten TV-Teams aus Japan und Russland, ein US-Fotograf. Bisher waren Reporter unerwünscht. Die Buddelei glich einer geheimen Kommandosache. Das Areal war abgesperrt, Wachschutz patrouillierte Tag und Nacht, Sichtblenden wurden aufgebaut. So sollte niemand vorab sehen, dass Bauleute den Lenin-Kopf längst am Vortag freilegten, ihn zur Probe schon aus der Grube geholt hatten (KURIER berichtete.)

Man wollte nicht zu viele Menschen auf dem Gelände, hieß es nun. „Es gab strenge Vorschriften wegen der vielen unter Schutz stehenden Zauneidechsen, die in der Nähe sind.“ Jetzt kam heraus: Auf Lenins Grab hatten es sich nur sechs Echsen heimisch gemacht, die wegen der Ausgrabung umgesiedelt werden mussten – für stolze 16000 Euro!

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Ohne, dass eines der Tierchen sterben musste, wurde am Donnerstag der in einer Plane eingehüllte Lenin-Kopf per Laster vom Ost- in den Westteil Berlins gebracht. Punkt 12 Uhr fuhr der Lkw in die Zitadelle Spandau ein. Von Bezirkskulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) wurde der Granitschädel in Empfang genommen.

„Sieht unbeschadet aus“, meinte er. Nicht ganz! Dem Revolutionär fehlen Stücke vom linken Ohr und dem Schnauzbart. Vermutlich gingen die Teile ab, als das Lenin-Denkmal 1991 am heutigen Platz der Vereinten Nationen abgerissen wurde.

Die Schönheitsfehler werden bleiben. Denn so liegend, wie man seinen Kopf im Forst fand, wird Lenin in der Zitadelle Spandau in der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ gezeigt werden. Im Frühjahr 2016 soll sie starten. Die Museums-Macher wollten unbedingt Lenins Kopf als Kern der Schau haben, kämpften lange mit dem Senat darum, zahlten für die Ausgrabung 72000 Euro.

Museums-Chefin Andrea Theissen will 100 Denkmäler präsentieren, die aus dem Berliner Stadtbild verschwanden. Wie die Statuen der einstigen Siegesallee (Tiergarten) und die abmontierten Schriftplatten vom Thälmann-Denkmal. „Auch Lenin gehört dazu. Ich finde den Kopf sehr eindrucksvoll“, sagt Museums-Chefin Theissen.

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