Auserwählt aus 1200 Kandidaten

KURIER-Leserin darf mit der Queen Geburtstag feiern

Lehrerin Ingrid (61) ganz aufgeregt. Wo Sie alle die britische Königin Elisabeth II. sehen können

Marcus Böttcher und Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 4 Min
Tea Time in Glindow. Ingrid Baitz beim Tee um 17 Uhr.

Tea Time in Glindow. Ingrid Baitz beim Tee um 17 Uhr.

© Sabine Gudath Lizenz

In ihrem Hausgarten in Werder hat sie schon die britische Flagge gehisst. Ingrid Baitz kann immer noch nicht fassen, dass sie am Donnerstag bei der nachträglichen Geburtstagsfeier im Grunewalder Garten von Sir Simon McDonald dabei sein darf. Der britische Botschafter hatte die KURIER-Leserin aus 1200 Bewerbern ausgewählt. „Ich kam gerade von einer Klassenfahrt, als die Botschaft in der Schule anrief“, sagt sie.

Tea Time in Glindow. Ingrid Baitz beim Tee um 17 Uhr.

Tea Time in Glindow. Ingrid Baitz beim Tee um 17 Uhr.

© Sabine Gudath Lizenz

Die Lehrerin aus Brandenburg, großer Fan der Monarchie, wurde aus 1200 Bewerbern ausgewählt.

Die Lehrerin aus Brandenburg, großer Fan der Monarchie, wurde aus 1200 Bewerbern ausgewählt.

© Sabine Gudath Lizenz

In ihrem englischen Raum im Keller, gibt es einen Schrank mit vielen England-Artikeln.

In ihrem englischen Raum im Keller, gibt es einen Schrank mit vielen England-Artikeln.

© Sabine Gudath Lizenz

TU-Präsident Prof. Dr. Christian Thomsen empfängt die Queen.

TU-Präsident Prof. Dr. Christian Thomsen empfängt die Queen.

© Volkmar Otto Lizenz

Extra für die Queen werden diese Treppenstufen verkleinert.

Extra für die Queen werden diese Treppenstufen verkleinert.

© Volkmar Otto Lizenz

Vor der Neuen Wache stehen die „Parken verboten“-Schilder.

Vor der Neuen Wache stehen die „Parken verboten“-Schilder.

© Volkmar Otto Lizenz

Die Maschinenbau-Studenten Lucas (19), Clara (20) und Nino (21) mit dem Union Jack (3x5 Meter) vor der TU.

Die Maschinenbau-Studenten Lucas (19), Clara (20) und Nino (21) mit dem Union Jack (3x5 Meter) vor der TU.

© Volkmar Otto Lizenz

Ingrid Baitz ist großer Fan der britischen Monarchie. Nicht nur, weil sie 1953 geboren wurde, dem Krönungsjahr der Queen. „Mit 13 Jahren las ich bereits historische Romane über Heinrich VIII.“, so die Lehrerin für Deutsch, Mathe und Sport. „Englisch kam später. In den 80er-Jahren begann ich als Vertretungslehrerin, war meinen Schülern meist eine Lektion voraus.“ Das Anglistik-Studium holte sie nach der Wende nach.

Baitz organisiert Reisen nach Großbritannien, bringt ehrenamtlich Erwachsenen die englische Sprache bei. In ihrem Keller findet der Unterricht statt, wo ein großes Poster von Elisabeth II. hängt. „Die Queen ist einfach die Beste“, sagt Baitz. „Ich bewundere sie. Es ist bestimmt nicht einfach, als Frau einer ganzen Nation zu dienen.“

Für das Treffen ist die Lehrerin bestens vorbereitet. Ein grünes Kleid hat sie gekauft, beherrscht den Hofknicks. Nur welchen Hut sie tragen wird, ist noch nicht klar. Dafür weiß die Frau, was sie der Queen schenken wird. „Eine Flasche Brandenburger gebrauten Whiskey“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was alles für den Queen-Besuch vorbereitet werden muss.

Ob die Königin diesen persönlich entgegennehmen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich herrscht rund um den Besuch ein strenges Protokoll. Und das fordert von denen, die der Queen nahekommen, vor allem eines: vornehme Zurückhaltung. „Man reicht ihr nicht die Hand, spricht sie nicht von sich aus an, nickt nur aus dem Nacken und verbeugt sich nicht.“ Prof. Dr. Christian Thomsen wird diese Ratschläge genauestens befolgen, wie er dem KURIER verriet. Der TU-Präsident empfängt die Königin in seiner Universität zur „Queen’s Lecture“ (Gastredner ist der Direktor des British Museum, Neil MacGregor) exakt 14.30 Uhr. Bei der Begrüßung ist der Hochschullehrer für experimentelle Festkörperphysik die Nummer 3 hinter Bundespräsident Joachim Gauck und dem Regierenden Michael Müller. Thomsens Familie hat „Erfahrung“ mit der Monarchie. „Meine Mutter arbeitete vor circa 50 Jahren an der Botschaft in Jamaika, schüttelte der Königin bei einem Besuch damals die Hand.“

Am Mittwoch werden einige wenige ausgewählte Studenten Elisabeth II. ihre Studiengänge vorstellen. Während diese wahrscheinlich schon heute nervös sind, bedeutet der Queen-Besuch für Herrmann Jung, der eigentlich anders heißt, vor allem eines: puren Stress. Jung ist Bauarbeiter und schuftet hinter der Schloss Bellevue. Von hier aus startet die Königin bei ihrem insgesamt fünften Besuch in Berlin samt Tross zu einer Schifffahrt auf der Spree. Das Problem: Hinter Bellevue gibt es keinen Anleger, sondern nur eine steile Treppe hinunter zum Fluss. Die Stufen, jede für sich 20 Zentimeter hoch, waren zu hoch für die 89-Jährige. Also baut Jung bis Mittwoch auf die Treppe eine weitere Treppe. Aus Holz. Deren Stufen sind dann exakt 16,3 Zentimeter „tief“. So jedenfalls lautete der Wunsch (oder Befehl?) aus dem Buckingham Palast.

Ansonsten hat die Queen wenige Hürden zu nehmen. Sie wird mit einem 405 PS starken Bentley mit nur leicht getönten Scheiben durch Berlin kutschiert. Gelegenheit zum Winken gibt’s für Royals-Fans also genug. Vor allem bei der Kranzniederlegung an der Neuen Wache und auf der Bootstour. Das gesamte Nordufer der Spree ist für die Öffentlichkeit zugänglich, außerdem das Südufer an der Terrasse des Hauses der Kulturen der Welt, die obere Ebene des Spreebogenparks und die Strecke zwischen Reichstag und Marschallbrücke.

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