Aus dem Heim geworfene Edith (105)

Sie hat es nicht überlebt

Pflegedienst hatte ihr Zimmer gekündigt. Der ungewollte Umzug brach ihr das geschwächte Herz.

CORNELIA SCHMALENBACH
Lesezeit 2 Min
Edith Feller (105) freute sich, als der KURIER sie im Februar besuchte. Ihre Familie schaute mehrmals in der Woche nach der hochbetagten Dame.

Edith Feller (105) freute sich, als der KURIER sie im Februar besuchte. Ihre Familie schaute mehrmals in der Woche nach der hochbetagten Dame.

© Bernd Friedel Lizenz

„Es war zu viel für sie“, sagt Tochter Christine Feller traurig. Dabei hatte die Familie Hoffnung, dass sich die Hochbetagte in einer neuen Umgebung noch mal aufrappelt. Als der KURIER die einst so lebenslustige Frau im Februar in der WG des ambulanten Pflegedienstes besuchte, winkte sie uns munter hinterher. Ihre Tochter zeigte uns Fotos der Mutter mit großflächigen Hämatomen und offenen Wunden.

Niemand hatte sie informiert. „Die Verletzungen konnte sie sich nicht selbst beigebracht haben“, sagte sie. Da es bereits ähnliche Vorfälle gab, bat sie um ein Gespräch. „Ich hatte meine Mutter ausgebildeten Fachkräften anvertraut. Doch weil der Pflegedienst mir nicht die Ursache der Verletzungen erklären konnte, machte mich das misstrauisch.“ Christine Feller benachrichtigte die Heimaufsicht und das LKA. Dann kam die Kündigung.

Nach dem KURIER-Bericht wollten viele Heime Oma Edith aufnehmen. Sie entschied sich für das Seniorenzentrum am Pankower Bürgerpark. „Die Mitarbeiter lasen meiner Mutter Wünsche von den Augen ab. Doch für sie blieb alles fremd, sie vermisste ihr vertrautes Zimmer.“ In den letzten Wochen erlosch ihr Lebenswille. An dem Tag, an dem ihr einziger Enkel nach langem Auslandsaufenthalt zurückkam, hörte ihr Herz auf zu schlagen.

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