17. Juni 1953

Die Freiheit weint um Hardy

Einer der letzten Helden der Stalinallee ist tot.

Marcus Böttcher
Lesezeit 2 Min
Am 17. Juni 1953 standen Protestierende sowjetischen Panzern gegenüber.

Am 17. Juni 1953 standen Protestierende sowjetischen Panzern gegenüber.

© picture alliance / akg-images

Tapfer schritt Siegrid Firl die wenigen Meter von der Kapelle zum Grab. Vor ihr die schwarze Urne mit den Überresten ihres Mannes, in ihrer Hand weiße Blumen. Sie ging den Weg in dem Wissen, dass ihr Mann ein Held ist.

Hardy Firl Anfang der 50er-Jahre, er war einer der Rädelsführer des Aufstands am 17. Juni

Hardy Firl Anfang der 50er-Jahre, er war einer der Rädelsführer des Aufstands am 17. Juni

© Foto: Archiv Vereinigung 17. Juni

Denn Hardy Paul Firl, geboren im Oktober 1931, kämpfte mit bloßen Händen für die Freiheit. Am 17. Juni 1953 kam der gebürtige Berliner auf die Stalinallee. Gerade erst 21 Jahre alt stand der sonst brave Mitropa-Mitarbeiter nun sowjetischen Panzern gegenüber.

Tatsächlich schossen die Polizisten

Die Kriegsgeräte konnten Firl nicht entmutigen. Stolz trug er sein Banner mit der Aufschrift „Freie Wahlen“ her, klaute einem Volkspolizisten das Mikrofon, stachelte Demonstranten auf. Immer wieder brüllte er „Der Spitzbart muss weg“ und „Wir fordern den Rücktritt der Regierung“. Aus dem von ihm angeführten Protestzug wurden Polizisten angegriffen, Bauarbeiter mit Drohungen am Weiterarbeiten gehindert, Straßenbahnen gestoppt.

Der Trauerzug auf dem Parkfriedhof in Marzahn.  

Der Trauerzug auf dem Parkfriedhof in Marzahn.  

© Thomas Lebie

Fünf Stunden später wurde Hardy Firl verhaftet, er wurde auf ein Armeegelände in Friedrichsfelde getrieben. „Mit fünf Männern musste ich mich mit dem Gesicht zur Wand aufstellen. Hinter uns lagen Volkspolizisten mit Maschinengewehren im Anschlag. Es war der entsetzlichste Augenblick meines Lebens, ich glaubte, gleich tot zu sein“, berichtete er vor einigen Jahren.

Hardy Firl wurde 1994 rehabilitiert

Tatsächlich schossen die Polizisten – in die Decke. Eine Scheinerschießung. Hardy Firl wurde anschließend in einem nur 30 Minuten dauernden Prozess wegen Rädelsführerschaft zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. In Rummelsburg saß er seine Strafe ab.

Hardy Firl wenige Tage vor seinem Tod.

Hardy Firl wenige Tage vor seinem Tod.

© Thomas Lebie

Anschließend arbeitete er bis zur Rente im Warenhaus am Alexanderplatz. Sein Urteil wurde 1994 aufgehoben, Hardy Firl rehabilitiert.

Der Lichtenberger hinterlässt neben seiner Frau Siegrid, mit der er 56 Jahre verheiratet war, zwei Kinder, zwei Enkel und zwei Urenkel. Carl-Wolfgang Holzapfel aus dem Vorstand der „Vereinigung 17. Juni 1953“ würdigte gegenüber dem KURIER die Verdienste des Verstorbenen. „Er hat seinen unvergessenen Platz in der Geschichte des Volksaufstandes gefunden. Wir werden ihn stets in ehrenvoller Erinnerung behalten.“

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