Seht her, das ist mein Kiez! Ralf Wieland erklärt an der Millionen-Brücke, wie sich sein Wedding in den letzten 40 Jahren verändert hat. Er selbst zog 1977 dorthin.
© SABINE GUDATH Lizenz
Der SPD-Mann mag es volksnah: Wieland gönnt sich an der „Curry Baude“ am Bahnhof ’ne Wurst.
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Ralf Wieland kauft Obst im türkischen Supermarkt.
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Vom Arbeiter-Kiez zum Migranten-Kiez: Wieland spricht auf der Badstraße über „Multikulti“.
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Sein Abgeordnetenbüro an der Bellermannstraße hat der SPD-Politiker erst im Januar angemietet
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Zwischenstopp am Hertha-Denkmal: Es erinnert mit einem Fußball an das einstige Vereinsgelände.
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Der Präsident empfängt nicht in einem noblen Büro. Ralf Wieland (58) isst Currywurst an der „Curry Baude“ vorm S-Bahnhof Gesundbrunnen. Der Wedding ist sein Heimatkiez – seit 1977. Noch vier Jahre länger hat er sein SPD-Parteibuch. Der gelernte Speditionskaufmann, der vor dem Umzug nach Wedding in einem Schmargendorfer Arbeiterwohnheim lebte. Von ganz unten hat er sich raufgearbeitet zum Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses. Sozialer Aufstieg, SPD, Currywurst – das hat Ralf Wieland mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder (70) gemein.
Dass „sein“ Parlament nach der Sommerpause in die neue Polit-Saison startet, merkt man auch am Wetter. Regen tropft auf die Markise am Imbiss, wo wir vom KURIER über die ganz großen Fragen sprechen wollen. Über alles, was jetzt wichtig wird in Berlins Politikbetrieb. Olympia-Bewerbung, Volksbefragungen, die Verfallserscheinungen der Piraten, Ausblick auf die Wahl 2016 nach dem angekündigten Rücktritt des Regierenden. „Der Abschied von Klaus Wowereit (SPD) ist eine echte Zäsur für die Stadt“, sagt Wieland. Er hätte sich gewünscht, dass seine Partei nach 13 Jahren an der Regierung einen „natürlichen Nachfolger“ ins Rennen schicken kann. Einen Nachfolger, den Wowereit selbst vorschlägt. Für welchen der nun drei Kandidaten – Raed Saleh, Jan Stöß, Michael Müller – sein Herz schlägt, macht Wieland nicht öffentlich. Er lacht: „Den Gefallen tue ich Ihnen nicht.“
An der Badstraße räumen die Gemüsehändler neue Obstkisten vor ihre Läden, auf den Gehwegen herrscht dichtes Gewusel. „Der Wedding war früher in den 60er-Jahren ein richtiger Arbeiterbezirk“, sagt der Sozialdemokrat. Aber diese alten Zeiten sind lange her. Die Industrie starb, die Arbeitsplätze gingen verloren. Nach dem Mauerfall, den Wieland am 9. November 1989 hautnah an der Bornholmer Brücke erlebte, kam die große Vermischung von Ost und West. Bis die deutschen Familien im großen Stil den Wedding verließen: „Hier bei uns blieben Ältere, Arbeitslose und Migranten“, sagt Wieland. Das meint er nicht negativ. Im Gegenteil: Er ärgert sich nur, dass linke Eltern „jahrelang große Reden über Multikulti schwingen – und zur Einschulung ihrer Kinder doch nach Charlottenburg ziehen“. So geht die gute Mischung verloren.
Seht her, das ist mein Kiez! Ralf Wieland erklärt an der Millionen-Brücke, wie sich sein Wedding in den letzten 40 Jahren verändert hat. Er selbst zog 1977 dorthin.
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Der SPD-Mann mag es volksnah: Wieland gönnt sich an der „Curry Baude“ am Bahnhof ’ne Wurst.
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Ralf Wieland kauft Obst im türkischen Supermarkt.
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Vom Arbeiter-Kiez zum Migranten-Kiez: Wieland spricht auf der Badstraße über „Multikulti“.
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Sein Abgeordnetenbüro an der Bellermannstraße hat der SPD-Politiker erst im Januar angemietet
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Zwischenstopp am Hertha-Denkmal: Es erinnert mit einem Fußball an das einstige Vereinsgelände.
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Wieland mag seinen Wedding, auch wenn er sich manchmal über das Straßenbild ärgert. Den achtlos weggeworfenen Abfall, die Hundehaufen. Er beklagt, dass sich viele Berliner „sehr um ein stilvolles Zuhause bemühen, aber auf der Straße das Gegenteil praktizieren.“
Wieland zeigt den Reportern die Millionenbrücke, das einstige Hertha-Gelände und natürlich sein neues Abgeordnetenbüro an der Bellermannstraße. Er kennt sich aus in seinem Wahlkreis. Aber die Welt endet für ihn nicht an der Bezirksgrenze, derzeit denkt er über ein internationales Thema nach: „Wir sollten im Parlament in den nächsten Wochen über Olympia sprechen.“ Für die angedachte Berliner Bewerbung komme es auf eine Gratwanderung an: zwischen bescheidenen Spielen und einem Event, das für das Internationale Olympische Komitee (IOC) attraktiv genug ist. Denn es entscheidet am Ende, wohin die Sommerspiele 2024 (oder 2028) vergeben werden.
Für Wieland zählt „der Schub“, den eine Ausrichtung für ganz Berlin bedeuten kann: Sport-Stätten werden saniert, stehen langfristig für Leistungs- und Breitensport bereit – und lassen sich im erneuerten Zustand mit niedrigeren Betriebskosten unterhalten. Der Präsident hofft auf eine Konzeption, bei der sich die Kosten von Olympia durch „positive Effekte“ rechnen.
Dass Berlins Bürger in einer Volksbefragung über die Ausrichtung der Spiele abstimmen sollen, hält Wieland für richtig. Er zweifelt allerdings an Plänen, regelmäßig Volksabstimmungen zu allen möglichen Themen abzuhalten – und dafür die Berliner Verfassung zu ändern. Er sei da aber noch in der Phase der Meinungsbildung. Wieland sagt es so: „Eines geht jedenfalls nicht: Dass der Senat regelmäßig das Volk am gewählten Parlament vorbei entscheiden lässt.“
Seht her, das ist mein Kiez! Ralf Wieland erklärt an der Millionen-Brücke, wie sich sein Wedding in den letzten 40 Jahren verändert hat. Er selbst zog 1977 dorthin.
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Der SPD-Mann mag es volksnah: Wieland gönnt sich an der „Curry Baude“ am Bahnhof ’ne Wurst.
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Ralf Wieland kauft Obst im türkischen Supermarkt.
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Vom Arbeiter-Kiez zum Migranten-Kiez: Wieland spricht auf der Badstraße über „Multikulti“.
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Sein Abgeordnetenbüro an der Bellermannstraße hat der SPD-Politiker erst im Januar angemietet
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Zwischenstopp am Hertha-Denkmal: Es erinnert mit einem Fußball an das einstige Vereinsgelände.
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Welche Parteien darin künftig vertreten sind, darüber sinniert Wieland dann noch beim Aprikosenkauf im türkischen „Bolu“-Supermarkt. Die Piraten sieht er im Abwärtstrend, was er nicht zuletzt am aktuellen Rücktritt und Parteiaustritt von Landes-Chef Christopher Lauer (30) festmacht. Wieland: „Als SPD-Politiker würde ich sagen, dass sich die Piraten entzaubern.“ Sie hätten immer beklagt, dass es in der Politik zu viel um Posten, Gremien und Geld gehe. Aber: „Jetzt tritt Herr Lauer zurück, will jedoch in der Fraktion bleiben – und behält so die Einkünfte als Abgeordneter.“ Ein sauberer Schlussstrich sei das nicht.
Als neue kleine Partei könnte 2016 die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die jüngsten Wahlerfolge, so in Brandenburg und Thüringen, lassen das als reale Gefahr erscheinen – eine Herausforderung für die großen, demokratischen Volksparteien. Wieland: „Man muss die Themen dieser Protestpartei, etwa die Innere Sicherheit und das Unsicherheitsgefühl der Bürger, künftig ernster nehmen. Aber klar machen, dass die Welt komplizierter ist und simple, radikale Lösungen nicht tragfähig sind.“
Im Wedding hat der Regen jetzt aufgehört. Der Präsident ist inzwischen in Eile. Er muss zu einem anderen Termin. Der Fahrer seines Dienstwagens wartet schon, der Politikbetrieb wartet. Die Sommerpause des Berliner Parlaments ist endgültig vorbei.
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