Auf ins World Wide Web

Fürs Internet ist es niemals zu spät

Der Senioren Computer Club nimmt ältere Menschen auf ihrem digitalen Weg an die Hand.

ANNE GOLLING
Lesezeit 3 Min
Karola Krause und Günter Voß vom Senioren Computer Club Berlin-Mitte sind geübt im Umgang mit dem Computer. Und bringen es anderen bei.

Karola Krause und Günter Voß vom Senioren Computer Club Berlin-Mitte sind geübt im Umgang mit dem Computer. Und bringen es anderen bei.

© Stickforth Lizenz

Dem Enkel eine Mail schreiben, einen Pulli bequem online bestellen oder schnell ein Rezept für Käsekuchen finden. Das World Wide Web ist auch für ältere Menschen interessant.

„Aber dafür müssen Sie erstmal das Internet aufmachen, Frau Krause“, witzelt Günter Voß mit der 71-Jährigen, vor einem PC im Senioren Computer Club Berlin-Mitte sitzend. „Lehrer“ Voß muss lachen. Denn wenn jemand weiß, wie die Technik funktioniert, ist es Oma Krause. Sie surft wie eine Jugendliche mit Smartphone und Tablet.

Tatsächlich kam sie schon früh mit dem Computer in Berührung, als Diplom-Designerin gestaltete sie Buchseiten für einen Verlag. „Der Übergang vom Druck zu Webseiten war nicht schwer“, sagt Karola Krause.

2008 ging sie in Rente, wollte aber nicht den Anschluss verlieren und suchte nach einem Computer-Club: „Um Gleichgesinnte zu treffen, um sich gegenseitig helfen zu können.“

In ihrer Gegend fand sie nichts, gründete deshalb 2009 mit Günter Voß und anderen den Senioren Computer Club Berlin-Mitte. „Wir haben jetzt fast 60 Mitglieder, zwischen 47 und 88 Jahren“, sagt Voß. Angeboten werden Workshops, Schnupper-Kurse und Beratungs-Sprechstunden.

Die meisten kommen allerdings aus einem bestimmten Anlass. „So auch eine Dame, 80 Jahre alt, Witwe. Ihr Mann war im Internet aktiv, hat alles für sie mit gemacht, auch Online-Banking. Nun kam sie nicht mehr an ihr Geld ran“, erzählt Voß. Im Club werden „Ahnungslose“ an die Hand genommen. Voß: „Es ist eine Schwelle, die es zu übertreten gilt. Man muss sich einfach trauen!“

Dabei sollte die Technik nicht abschrecken, sondern Mut machen. „Die ist heute schon so weit, dass es nicht mehr kompliziert ist“, sagt Oma Krause. Wie die Programme technisch funktionieren, ist ihr egal, solange sie sie bedienen kann.

„Medienkompetenz heißt nicht nur, mit dem Computer umgehen zu können, sondern ist ein Stück weit auch Altersvorsorge“, fügt Voß hinzu. Denn: „Wenn man mal nicht mehr so mobil ist wie jetzt, kann das Internet das Fenster zur Welt sein.“ So wird das Internet für viele ältere Menschen unverzichtbar. Laut einer Forsa-Umfrage, kann sich die Hälfte der Nutzer ab 65 Jahren ein Leben ohne Online nicht mehr vorstellen. Dazu gehört auch Gisela Weller.

Sie ist 73 Jahre alt, hat drei Enkel und einen Tablet-Computer. Sogar Phänomene wie Facebook oder Twitter sind ihr geläufig – durch die Enkel. Bei Facebook, das schlug ihr eine Enkeltochter vor, könnte sie immer sehen, was die Jugendliche gerade beschäftigt. Und bei Twitter, empfahl die andere Enkeltochter, könnte sie auch anderen Menschen folgen, die sie interessierten.

Oma Krause braucht das nicht. „Ich suche Gleichgesinnte, die gibt’s bei Facebook und Twitter kaum.“ Ihr Smartphone bimmelt am laufenden Band. Auch den neuen Tablet-Computer legt sie kaum aus der Hand. „Da habe ich viele Filme drauf“, sagt Oma Krause. Und erklärt: „Ich reise gern, meist mit der Bahn, aber die Zeit vergeht wie im Flug – dank der Technik.“ Die muss man eben nur bedienen können. Und das kann jeder lernen.

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