Das Telefon klingelt. Chefkoch Andreas Lochner (43) hebt ab. Am anderen Ende der Leitung ist Joachim Lechler, sein Lieblingsfischer. "Hey Andi, ich habe wieder frischen Havel-Zander, zehn Stück, magst du welchen?" Klar mag Lochner! Sechs Stück. Er setzt sich in seinen Wagen und macht sich auf den Weg nach Caputh."Ich bekomme nirgendwo einen frischeren Fisch als hier. So knackig, glänzend und duftend", schwärmt Andreas Lochner. Seit zehn Jahren ist der Chefkoch mit dem Fischer befreundet. "Für mich ist er der Fischer-König".Bodenständig, aber dennoch kreativ mit süddeutschen Einflüssen ist seine Küche. So uneitel seine Gerichte sind, so uneitel ist Lochner selbst. Ihn zieht's nicht ins Fernsehen, sondern an den Herd. Er strebt nach Perfektion seiner Speisen, der Zufriedenheit der Gäste - nicht nach der Lobpreisung der Kritiker. Dennoch hat er es weit gebracht. Mit aktuell 15 Punkten im Restaurantführer Gault-Millau zählt Andreas Lochner zu den zehn besten Restaurants der Stadt unterhalb des Michelin-Sterne-Niveaus!Schon als kleiner Knirps hat Lochner Koch werden wollen. "Ich bin vorbelastet", erzählt der gebürtige Franke aus Röttingen im Taubertal schmunzelnd. "Meine Familie hat seit 1648 eine Landmetzgerei. Ich bin in einer Gastwirtschaft-Familie großgeworden."Die erste Berliner Station war das "Hotel Berlin" am Lützowplatz. Nach Jahren bei Feinkost-Nöthling an der Schlossstraße, der führenden Adresse für Staatsempfänge, war Lochner zehn Jahre lang Mitinhaber und Küchenchef im Restaurant "Paris Moskau". Seit September 2004 betreibt der Spitzenkoch mit seiner Frau Gerlinde das "Lochner". Die Sommeliere hat einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolg. Umsichtig betreut sie die Gäste, gibt die perfekte Weinempfehlung zu den Gerichten ihres Mannes. Ihre Liebe zum Wein hat sie als Kellnerin bei Zwei-Stern-Koch Siegfried Rockendorf entdeckt.Und was wird bei den Lochners daheim aufgetischt? Lochner antwortet prompt: "Daheim kochen? Um Gotteswillen, bloß nicht!", sagt der Spitzenkoch. "Wenn meine Frau und ich zuhause Hunger bekommen, gehen wir zum Asiaten um die Ecke!"------------------------------LOCHNERS GEHEIM-TIPPSAn alle Fische ohne Haut ganz vorsichtig mit Hitze herangehen. Den Fisch nie zu lange oder zu heiß braten. Das gilt vor allem für sehr zarte Fische wie Stein- oder Heilbutt.Grundsätzlich gilt: Auf die Haut darf man Hitze geben, dann aber bitte auf der Fleischseite liegen lassen.Im Winter verwendet Lochner eher Gewürze, im Sommer viele Kräuter. Bei den Kräutern hält sich der Spitzenkoch eher an die Klassiker. In seiner Küche werden Petersilie und Basilikum kurz blanchiert, mit Öl püriert und später zu duftenden Saucen aufgeschäumt. Aus Dill, Kerbel und Zitronenschalen bereitet er ein individuelles Kräutersalz und würzt damit Lachs.Zu seinen Favoriten gehören der vielseitig einsetzbare Liebstöckel, den er unter anderem zur Spanferkelschulter serviert und Bärlauch, den Lochner gern in Suppen einrührt.------------------------------
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