Auch das Verbrechen hat einen festen Wohnsitz

Die Highlights im Fernsehen vorab gesehen Johannes Studnik
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Was für eine wuchtige Besetzung: Anna Maria Mühe als kaputte Trinkerin. Ulrich Matthes als zwielichtiger Nachbar einer tristen Bremer Hochhaussiedlung, wo sie alle unter ihrer verfilzten Decke stecken. Dort, im fahlen Neonlicht der Sozialbau-Flure, hat das Verbrechen seinen festen Wohnsitz. Ein Ort für Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), die mit ihrem feinen Sinn für scheinbar Nebensächliches wieder einmal ein ganzes Knäuel von menschlichen Verfehlungen aufdeckt: In diesem Milieu wird betrogen, gelogen, Partydrogen werden verschoben. Mord ist da nur die letzte Konsequenz. Die Tat und ihr Motiv bleiben über weite Strecken dieses "Tatorts" (heute, 20.15 Uhr, ARD) schleierhaft. "Stille Wasser" - so der Titel - sie sind bekanntermaßen tief, oft auch trüb. Den Durchblick verschafft sich Lürsen als verdeckte Ermittlerin, sie gibt sich als prollige Halbschwester des Ermordeten aus. Die Kriminalistin zieht an den Ort des Verbrechens, wischt das Blut der Mordopfer auf - und kümmert sich um das verwaiste Kind, das dort seine Eltern hat sterben sehen. Wer sie ermordet hat - die neunjährige Nadine weiß es, doch sie ist traumatisiert. In ihrem Gesicht spiegelt sich die ganze Tiefe des Grauens. Dies ist die unglaubliche Leistung der blutjungen Sina Montpetain, die zufällig in einer Bremer Schule gecastet wurde - und zur alles überragenden Hauptfigur wird. Eine kleines TV-Ereignis, ein Versprechen, vielleicht der Anfang einer hoffnungsvollen Schauspiel-Karriere.

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