Wilmking ist Chef der Zalando-Tochter Zlabels, unter deren Dach der Online-Modehändler seine Eigenmarken zusammenfasst. Vor sechs Jahren hat das Unternehmen begonnen, Schuhe, Kleider und Blusen nicht mehr nur ein- und weiterzukaufen, sondern selbst zu kreieren und produzieren zu lassen. Mittlerweile sind es 17 Marken, die auf nahezu jeden Kundengeschmack zugeschnitten sind – von frech bis konservativ, von günstig bis teuer. Die Ateliers, in denen die Mode aus der Hauptstadt kreiert wird, befinden sich am Ostkreuz auf der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg. In einem ehemaligen Fabrikgebäude an der Neuen Bahnhofstraße arbeiten heute etwa 450 Mitarbeiter für Zalandos Kreativ-Abteilung.
Der Lenker: Jan Wilmking (38) ist der Chef von Zlabels.
© Zalando
Eine der 50 Designerinnen ist Haleh Esbak. Die 31-Jährige kam mit drei Jahren aus dem Iran nach Deutschland, hat an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft Modedesign studiert und kam unmittelbar nach dem Studium zu Zalando. Die junge Frau kann sich noch genau daran erinnern, wie sie schon kurz nach ihrem Studium in der U-Bahn einem jungen Mädchen begegnete, das ein von ihr entworfenes Kleid trug. Als Designerin der Marke Mint & Berry ist das mittlerweile für sie Routine. „Ich entwerfe etwa 30 Kleidungsstücke im Monat. Kein halbes Jahr später kann man sie kaufen“, sagt Haleh Esbak.
Das Geschäft mit den Eigenmarken hat sich das Online-Modekaufhaus vom klassischen Handel abgeguckt, wo etwa Kaufhof Klamotten von Manguun und Mark Adam anbietet. Für Zalando ging es zunächst darum, rasch preisgünstige Waren zu bekommen, mit denen man die Kundschaft von H&M und Zara ins Visier nehmen konnte. Außerdem sind die Margen bei Eigenmarken oft doppelt so hoch wie bei gehandelten Fremdmarken. Unter dem Strich kann Zalando dadurch also mehr an den 63 Euro verdienen, die ein Zalando-Kunde im Schnitt bei einer Bestellung ausgibt.
Inzwischen hat Zlabels-Chef Jan Wilmking das System Eigenmarke bei Zalando zu Perfektion gebracht. Rund 10.000 neue Artikel kommen binnen eines Jahres aus den hauseigenen Ateliers, werden zu 40 Prozent in Europa produziert und inzwischen sogar auch über Amazon in den USA verkauft. Mode aus Berlin.
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