Artur Brauner mit 100 Jahren gestorben

Sein Herz schlug bis zuletzt für das Kino

Der Produzent hatte rund 300 Filme verantwortet. Familie in tiefer Trauer.

BK
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Berlins Jahrhundertproduzent Atze Brauner starb mit 100 Jahren.

Berlins Jahrhundertproduzent Atze Brauner starb mit 100 Jahren.

© imago/Future Image

Romy Schneider saß auf seinem Sofa. Curd Jürgens bediente sich aus seinem Kühlschrank. Bei Artur „Atze“ Brauner gingen die Stars des Nachkriegsfilms ein und aus. Jetzt ist der Produzent und Holocaust-Überlebende kurz vor seinem 101. Geburtstag gestorben, berichtete zuerst „Bild“. Seine Familie ist in tiefer Trauer.

Brauner war prägend für das deutsche Kino

Brauner hat das deutsche Kino geprägt wie kaum ein anderer. Heinz Rühmann, O.W. Fischer, Peter Alexander und Caterina Valente – sie alle standen in den Berliner Filmstudios von Brauner vor der Kamera. Er produzierte Kassenknüller wie „Dr. Mabuse“, „Mädchen in Uniform“ und „Der Tiger von Eschnapur“.

Brauner hielt die Erinnerungen an die Opfer des Holocaust wach

Doch Stars und Glamour waren immer nur die eine Seite im Leben des eleganten Moguls mit dem gepflegten Menjoubärtchen. Mit Filmen wie „Morituri“ (1948), „Hitlerjunge Salomon“ (1990) und „Wunderkinder“ (2011) hält Brauner seit sieben Jahrzehnten die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach. Brauner verlor 49 Verwandte, überlebte selbst den Krieg versteckt in der Sowjetunion.

Multitalent Brauner schuf ein kleines Hollywood in Deutschland

Nach der Katastrophe kam der im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geborene Brauner ausgerechnet in das Land der Täter zurück. 1946 schuf er mit der Central Cinema Company (CCC) praktisch aus dem Nichts ein florierendes Unternehmen für erfolgreiche Unterhaltungsfilme. Er war alles in einem: Produzent, Autor, Atelierchef, Dramaturg, Besetzungsboss und Buchhalter. Die CCC-Studios in Berlin-Spandau waren ein kleines Hollywood in Deutschland. Und bis zuletzt schlug das große Herz des Filmmoguls für das Kino. Im August 2017 starb Brauners Ehefrau Maria, mit der er 71 Jahre verheiratet war. „Sie hat mich jeden Moment meines Lebens glücklich gemacht!“, sagte der Jahrhundertproduzent im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Ihr Tod habe ihn über alle Maßen getroffen. Im vergangenen September gab es zu Brauners Ehren dann trotzdem eine große Gala im Zoo Palast. Tochter Alice, ebenfalls Produzentin, plante „einen würdevollen Abend, keine übliche Brauner-Wodka-auf den Tischen-Tanz-Party. So eine Art von Feier ist zurzeit ohne meine Mama einfach nicht vorstellbar!“ Das Ehepaar Brauner fehlte über Jahrzehnte bei kaum einem gesellschaftlichen Ereignis und war von den roten Teppichen Berlins nicht wegzudenken. 

Mit Besorgnis blickte Brauner auf die heutigen rechtspopulistischen Strömungen, sagte: „Ich kann der Jugend nur nahelegen, dass sie den Populisten weltweit nicht ins Netz geht und sich mit aller Kraft Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenstellt. Und zwar jetzt und nicht erst, wenn es schon zu spät ist.“ Diese Stimme wird uns in Berlin fehlen.

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