ARD-Doku

Soldatin Nora wurde vergewaltigt – danach ging die Hölle weiter

In Befragungen wurde der jungen Frau suggeriert, sie sei selbst schuld.

BK
Lesezeit 3 Min
Nora kämpft sich wieder ins Leben, ist mittlerweile Mama von zwei kleinen Kindern.

Nora kämpft sich wieder ins Leben, ist mittlerweile Mama von zwei kleinen Kindern.

© WDR

Nach einem Bar-Besuch wird Nora vergewaltigt. Sie zeigt den Täter an. Doch damit beginnt für sie die wahre Hölle: Bei Befragungen durch Vorgesetzte und Polizei fühlt sie sich, als sei sie die Verbrecherin. Ihr Fall zeigt, warum 85 Prozent der Opfer sexueller Gewalt nicht zur Polizei gehen.

Vier Frauen haben in der ARD-Doku „Vergewaltigt. Wir zeigen an!“ von ihrem Martyrium nach ihrer Vergewaltigung erzählt, darunter Soldatin Nora (30). 2016 absolviert sie einen Bundeswehr-Lehrgang in Dresden. An einem Abend geht sie mit Kameraden in eine Bar. Bei ihrem Drink bemerkt sie einen bitteren Geschmack. Als sie die Bar verlässt, setzt ihre Erinnerung aus.

Taxifahrer ruft keine Hilfe

Die Überwachungskamera der Kaserne zeichnet später auf, wie ein Taxi vorfährt. Eine Tür wird geöffnet, Nora sackt zusammen, fällt aus dem Wagen. Auf den Taxifahrer wirkt Nora wie jemand, der unter K.-o.-Tropfen steht. Das sagt er später vor Gericht, in der Nacht ruft er keine Hilfe. 

In dieser Offiziersschule in Dresden ist Nora vergewaltigt worden.

In dieser Offiziersschule in Dresden ist Nora vergewaltigt worden.

© imago/Max Stein

Noras nächste Erinnerung: Sie liegt ohne Hose im Badezimmer. „Die Tür ging auf und der Täter stand in der Tür, selbst auch in Unterwäsche.“ Wieder wird es in ihrer Erinnerung schwarz. „Dann bin ich im Bett, nackt, und irgendjemand ist über mir.“ Als Nora aufwacht, ist dieser jemand noch im Zimmer. Er tut so, als hätte sie das auch gewollt.

Bei der Befragung zum Täter gemacht

Einige Stunden später geht sie zur Polizei. Nora muss zu einer Befragung durch ihren Vorgesetzten. „Er hat eingeleitet, dass ich schon wisse, was ich meinem Kameraden da antue“, erinnert sie sich. „In dem Moment bin ich zum Täter gemacht worden.“ 

Am selben Tag wird Nora von der Kripo befragt: „Ob ich zu freizügigem Verhalten neige. Ob ich gerne mit Männern flirte. Ob ich mir sicher sei, nicht doch gezielt darauf hingearbeitet zu haben, dass wir im Bett landen.“

Täter gesteht vor Gericht

Danach ist sie psychisch am Ende. „Die haben mir so eingetrichtert, dass ich selber schuld bin, dass das passiert ist.“ Wochen später erfährt sie, dass sie schwanger ist – vom Täter. Sie treibt ab. Und macht sich deswegen bis heute Vorwürfe.

Vor Gericht gesteht der Täter, er wird zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Eine milde Strafe, doch darauf kommt es Nora nicht an. „Es ging mir darum, dass mir geglaubt wird“, sagt sie.

Für Menschen in Noras Situation gibt es Anlaufstellen. In Berlin sichert die Gewaltschutzambulanz der Charité Spuren – auch ohne Anzeige.  

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