Arbeitsschutz in Berlin

2019 schon sieben Tote auf Berliner Baustellen

Dennoch steht Berlin bei der Arbeitssicherheit ganz gut da

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Bauarbeiter auf einer Baustelle (Symbolbild)

Bauarbeiter auf einer Baustelle (Symbolbild)

© imago images / Rupert Oberhäuser

Arbeitsschutz, nicht auf die leichte Schulter genommen: Bäckermeister Mattis Harpering kauft keine 25-Kilogramm-Mehlsäcke mehr, wie er sie hier geschultert hat. Die 12,5 Kilo, die Arbeitssenatorin Elke Breitenbach trägt, gehen nicht so sehr auf den Rücken.

Arbeitsschutz, nicht auf die leichte Schulter genommen: Bäckermeister Mattis Harpering kauft keine 25-Kilogramm-Mehlsäcke mehr, wie er sie hier geschultert hat. Die 12,5 Kilo, die Arbeitssenatorin Elke Breitenbach trägt, gehen nicht so sehr auf den Rücken.

© Markus Waechter

Der Bericht sieht eigentlich ganz  gut aus für Berlin: Es gab 2017 mit 31 446 rund 800 Arbeitsunfälle weniger als 2016. Damit gab es 18 Vorfälle auf 1000 in Vollzeit Beschäftigte, bundesweit 21,16.

Dr. Robert Rath, Chef des Lagetsi.

Dr. Robert Rath, Chef des Lagetsi.

© Markus Waechter

Das Baugewerbe aber macht Robert Rath, Chef des Landesamts für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz  und technische Sicherheit (Lagetsi), Sorgen. Bauleute aus dem Ausland würden in Sub-Sub-Unternehmen nicht nur schlecht bezahlt und untergebracht, sondern auch schlecht eingewiesen. Alle Toten 2019 gingen auf Konto des Bauwesens. Auch die meisten der 228 Verdachtsfälle berufsbedingten Hautkrebses (2018)  traten  bei Bauleuten auf, weil sie  weder Sonnencreme bekamen noch angehalten wurden, langärmlige Shirts zu tragen.

Bäckermeister Mattis Harpering (32) an der besonders gesicherten Rührmaschine.

Bäckermeister Mattis Harpering (32) an der besonders gesicherten Rührmaschine.

© Markus Waechter

Vorgestellt wurde der Bericht von Rath und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) in der Bäckerei „Backpfeife“ auf dem Holzmarkt.  Meister Mattis Harpering (32) schilderte, was er für den Arbeitsschutz für sich, einen weiteren Bäcker und eine Auszubildende tut. So kauft er Mehl nicht mehr in 25-, sondern 12,5-Kilo-Säcken, was den Rücken entlastet. Für seine Teigrührmaschine baute er eine Vorrichtung, damit niemand ins Rührwerk greifen kann.

Damit kommt er Raths Wunsch entgegen: Jeder Chef ist  für die Arbeitssicherheit verantwortlich, erst dann das Lagetsi, das mit 80 Leuten die 98 798 Betriebsstätten der Stadt zu überwachen hat. Das ist natürlich nicht zu bewerkstelligen, So wurden in einem Jahr knapp 5000 Überprüfungen durchgeführt, die über 5700 Beanstandungen  nach sich zogen.

Senatorin Breitenbach weiß aus eigener Erfahrung zu berichten, wie gefährlich schlecht gesicherte Maschinen sein können. Sie sei beinahe skalpiert worden, als sie sich - als kleines Mädchen noch mit sehr langem Haar - im heimischen Dorf über eine Eisrührmaschine beugte. Das Haar geriet in das Rührwerk und wurde aufgewickelt. Glücklicherweise zog der Eismann noch rechtzeitig den Stecker, ehe Schlimmeres geschah. Allerdings musste der halbe Haarschopf daran glauben, weil die Mutter ihn abschnitt, um die Tochter zu befreien. 

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