Arbeitsschutz, nicht auf die leichte Schulter genommen: Bäckermeister Mattis Harpering kauft keine 25-Kilogramm-Mehlsäcke mehr, wie er sie hier geschultert hat. Die 12,5 Kilo, die Arbeitssenatorin Elke Breitenbach trägt, gehen nicht so sehr auf den Rücken.
© Markus Waechter
Der Bericht sieht eigentlich ganz gut aus für Berlin: Es gab 2017 mit 31 446 rund 800 Arbeitsunfälle weniger als 2016. Damit gab es 18 Vorfälle auf 1000 in Vollzeit Beschäftigte, bundesweit 21,16.
Dr. Robert Rath, Chef des Lagetsi.
© Markus Waechter
Das Baugewerbe aber macht Robert Rath, Chef des Landesamts für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi), Sorgen. Bauleute aus dem Ausland würden in Sub-Sub-Unternehmen nicht nur schlecht bezahlt und untergebracht, sondern auch schlecht eingewiesen. Alle Toten 2019 gingen auf Konto des Bauwesens. Auch die meisten der 228 Verdachtsfälle berufsbedingten Hautkrebses (2018) traten bei Bauleuten auf, weil sie weder Sonnencreme bekamen noch angehalten wurden, langärmlige Shirts zu tragen.
Bäckermeister Mattis Harpering (32) an der besonders gesicherten Rührmaschine.
© Markus Waechter
Vorgestellt wurde der Bericht von Rath und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) in der Bäckerei „Backpfeife“ auf dem Holzmarkt. Meister Mattis Harpering (32) schilderte, was er für den Arbeitsschutz für sich, einen weiteren Bäcker und eine Auszubildende tut. So kauft er Mehl nicht mehr in 25-, sondern 12,5-Kilo-Säcken, was den Rücken entlastet. Für seine Teigrührmaschine baute er eine Vorrichtung, damit niemand ins Rührwerk greifen kann.
Damit kommt er Raths Wunsch entgegen: Jeder Chef ist für die Arbeitssicherheit verantwortlich, erst dann das Lagetsi, das mit 80 Leuten die 98 798 Betriebsstätten der Stadt zu überwachen hat. Das ist natürlich nicht zu bewerkstelligen, So wurden in einem Jahr knapp 5000 Überprüfungen durchgeführt, die über 5700 Beanstandungen nach sich zogen.
Senatorin Breitenbach weiß aus eigener Erfahrung zu berichten, wie gefährlich schlecht gesicherte Maschinen sein können. Sie sei beinahe skalpiert worden, als sie sich - als kleines Mädchen noch mit sehr langem Haar - im heimischen Dorf über eine Eisrührmaschine beugte. Das Haar geriet in das Rührwerk und wurde aufgewickelt. Glücklicherweise zog der Eismann noch rechtzeitig den Stecker, ehe Schlimmeres geschah. Allerdings musste der halbe Haarschopf daran glauben, weil die Mutter ihn abschnitt, um die Tochter zu befreien.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com