Uralte Sorten

Trockener Sommer, saftige Äpfel

In Müncheberg werden alte Obstsorten erforscht, um sie uns zu erhalten.

Torsten Müller
Lesezeit 2 Min
Hilmar Schwärzel findet auf seinen Wanderungen noch immer Apfelsorten, die als verschwunden galten.

Hilmar Schwärzel findet auf seinen Wanderungen noch immer Apfelsorten, die als verschwunden galten.

© Gerd Engelsmann

Hilmar Schwärzel ist Leiter der Obstbauversuchsstation Müncheberg, einer Einrichtung des Landes Brandenburg, die sich dem Erhalt alter Obstsorten verschrieben hat. Auf knapp 30 Hektar Fläche stehen etwa 4000 Bäume. Hier wird geforscht – und es werden uralte Sorten gerettet. 

„Die Bäume und Sträucher tragen so reich wie lange nicht“

Dieses lebendige „Obstmuseum“ hat noch eine weitere Mission: Es wirbt für den Anbau alter Sorten. Jedes Jahr gibt die Station Hunderte Ableger zur Wiederansiedlung in den Gärten von Hobbygärtnern ab. Hier kann sich jeder genau jene alten Sorten holen, die besonders gut zu die Bedingungen in Berlin-Brandenburg passen. 

Äpfel, wie aus Omas Garten: Viele Besucher wollen „zurück zum Geschmack der Kindheit".

Äpfel, wie aus Omas Garten: Viele Besucher wollen „zurück zum Geschmack der Kindheit".

© Gerd Engelsmann

Dass die Bäume in der Region trotz des Hitzesommers so reichlich Früchte tragen, hat auch mit Hilmar Schwärzel zu tun, denn der Gartenbau-Ingenieur weiß genau, wie sich einzelne Sorten bei unterschiedlichen Temperaturen und Niederschlägen entwickeln, welche Böden sie brauchen. 

Seit 30 Jahren beschäftigt sich der Apfelpapst mit Klimaanpassungen für den Obstbau. Er hat Verfahren für die Bodenbewirtschaftung und Bewässerung entwickelt, die gerade in diesem trockenen und heißen Jahr ihre Nagelprobe bestanden haben. „Die Bäume und Sträucher tragen so reich wie lange nicht“, sagt der forschende Praktiker, „der Obstbau ist in hiesigen Gefilden mit dem entsprechenden Know-how, das wir gern weitergeben, ein absoluter Gewinner des Klimas“.

„Zurück zum Geschmack der Kindheit"

Harberts Renette, Kaiser Wilhelm, polnische Zuckerparmäne, Bittenfelder, Zigeunerin, Gewürzcalvill, Liefländer Gravensteiner – 1000 Apfelnamen könnte er so aufzählen, sagt Hilmar Schwärzel. Und am Baum zeigen. Mit Exkursionen und Seminaren will die Station Alternativen zum Einheitsapfel aufzeigen. Zudem nimmt sich Obstguru Schwärzel gern Zeit, wenn er die passende Sorte für seine Besucher sucht.

Meist ist das Ziel, genau jene Birne oder jenen Apfel zu finden, in den seine Gäste einst in Großmutters Garten gebissen haben. „Zurück zum Geschmack der Kindheit, das ist nicht nur beim Obst, sondern generell bei unserer Ernährung ein Weg, auf den man sich wieder stärker besinnen sollte“, sagt er.

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