Wie muss der Stadtverkehr in Zukunft aussehen? Mit diesem Thema befasst sich Knie seit mehr als einem Vierteljahrhundert als Hochschullehrer an der Technischen Universität Berlin und als Forscher. Der 57-Jährige hat nicht grundsätzlich etwas gegen Kraftfahrzeuge – das unterscheidet den Sozialwissenschaftler von manchen anderen Vertretern seiner Zunft.
„Nicht jeder will Rad, Bus oder Bahn fahren, das kann ich verstehen. Natürlich soll es weiterhin Autos geben“, sagt er zum KURIER. „Aber eben nicht mehr als private Mobilitätsreserve, zumindest nicht in der Stadt.“ Anders formuliert: In dicht besiedelten Innenstädten seien Privatautos fehl am Platze. Wenn sie parken, belegen sie kostbaren öffentlichen Raum. Knie: „Es muss in die Köpfe hinein, dass das Bevorraten von tonnenschweren Geräten auf öffentlichem Raum der Wahnsinn schlechthin ist. Ich kann nicht verstehen, dass dies noch kein Thema in der Stadt ist. Autos sollen fahren und nicht dumm rumstehen! Man muss den Autobesitzern klar sagen: Ihr genießt Privilegien, doch diese sind eine Plage für die Menschen ohne Auto.“ Schließlich liegt der Anteil der Haushalte ohne Auto bei knapp 50 Prozent.
Doch nur in acht Prozent des Stadtgebietes müssen Autofahrer zahlen, wenn sie ihre Fahrzeuge auf Straßen oder Plätzen abstellen. „Und selbst dort sind die Parkgebühren lächerlich niedrig. Anwohner können für 10,20 Euro pro Jahr parken, also quasi kostenlos“, sagte Knie.
Parkraum für Privatautos in der Innenstadt verknappen
Seine Forderungen lautet: Parkgebühren hoch! Und Parkraum für Privatautos in der Innenstadt verknappen, um Platz für sinnvollere Nutzungen zu schaffen – für Radfahrstreifen und mehr Platz für Fußgänger zum Beispiel. Oder für Stellflächen für Carsharing-Fahrzeuge, die von registrierten Kunden genutzt werden können.
Andreas Knie ist einer der geistigen Väter dieses Konzepts, das von Drive Now, Car2Go und anderen erfolgreich umgesetzt wird. Denn eines ist für ihn klar: Jeder, der Auto fahren will, soll auch in Zukunft ein Auto oder mehrere Autos in der Nähe haben – aber gemeinschaftlich genutzt. Nur so könne die moderne Stadt künftig funktionieren.
„Auch alte Menschen sind in der Lage, ein Smartphone zu bedienen und sich ein Auto zu bestellen. Entweder man fährt selber, beim Carsharing, oder man wird gefahren. Und warum gibt es keinen Kita-Dienst für Familien?“, fragt Knie.
Vorbilder sind Madrid und Paris
Madrid, Paris und andere Städte hätten ein klares Programm: „Raus mit den privaten Autos!“, so der Wissenschaftler . „Für Berlin heißt das: Die neuen großen Wohnviertel, die in Tegel, Blankenburg und anderswo entstehen, brauchen Schienenanbindungen, keine privaten Parkplätze.“ Klar ist für Knie auch: Der Autoverkehr muss sauberer werden. Ab 2030 dürfen in Berlin keine neuen Diesel mehr zugelassen werden, ab 2030 darf innerhalb des S-Bahn-Rings nur noch elektrisch gefahren werden.
Viel zu tun für den Senat. „Politiker und Verwaltungsleute müssen noch durch ein Fegefeuer. Aber am Ende haben wir alle mehr Raum und mehr Beweglichkeit gewonnen.“
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