Hier, vor dem Haus mit der Nummer 66, in dessen Räumlichkeiten sich eigentlich ein Friseur verbirgt, staunen vorbeigehende Passanten nicht schlecht. „Stehen die hier alle zum Haareschneiden an?“, fragt einer. Nein, für Böller! Mitten in der Nacht wartete hier eine 50-Meter-Schlange, bestehend aus über 100 Feuerwerks-Verrückten.
Grund ihrer Anreise: das Fachgeschäft Feuerwerksvitrine. Der Laden, 2004 gegründet, startete in diesem Jahr erstmals um Mitternacht mit dem Verkauf der begehrten Silvesterböller. Wer stellt sich dafür an? Die Antwort: begeisterte Feuerwerks-Fanatiker, Menschen wie Luis Klein (16), Lukas Lomparski (16) und Rony Hamed (16).
„Wir kaufen alles“
Schon um 16.30 stellten sie sich vor den Laden. „Wir wollten die ersten sein, das Feeling und die Stimmung genießen“, sagt Luis. Er kam über seinen Vater zur Knall-Leidenschaft. „Er hat mich schon als Kind herangeführt – bei dem heutigen Ausmaß ist er nicht mehr so ein großer Fan“, sagt er und lacht. Lukas sah schon mit vier Jahren sein erstes Feuerwerk und war begeistert – und Rony hat einen älteren Bruder, der gemeinsam mit ihm böllerte, als er selbst noch zu den Pyro-Verrückten gehörte.
Anstehen für den großen Knall
Gleich geht es los. Sehnsüchtig warten viele Silvester-Enthusiasten auf ihre persönliche Bescherung.
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Kein Ende in Sicht, auch an der Straßenecke stehen die Leute nach wie vor an.
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das Sortiment des Fachgeschäfts Feuerwerksvitrine ist riesig, für jeden sollte etwas dabei sein.
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Feuerwerk so weit das Auge reicht.
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Sebastian füllte seine XXL-Einkaufstasche prall – nun steht aber noch eine Tour durch die Discounter an.
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Freudige Gesichter. Jetzt kann Silvester ja kommen.
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Ob Raketen, Böller oder Knallerbsen. Pyro-Fans werden hier definitiv fündig.
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Im Fachgeschäft Feuerwerksvitrine gibt es alles, was das Herz begehrt.
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Schon seit Jahren kommen die drei her, um sich einzudecken, 200 Euro wollen sie pro Person im Laden lassen, insgesamt werden es am Ende, nach Touren durch die Discounter, 400 Euro pro Person sein. „Wir kaufen alles“, sagt Rony. „Mittags soll es knallen und abends schön leuchten.“ Erwerben dürften sie natürlich eigentlich nichts – hätten sie nicht den Papa von Lukas dabei.
Hinter den jungen Männern wartet das nächste Grüppchen: Max (19), Dino (38), Miguel (18), Paul (21) und Sebastian (34). „Wir stehen seit 18.30 Uhr, weil wir begeisterte Pyro-Fans sind und Feuerwerk lieben. Ohne geht nicht“, sagt Sebastian. Ausgeben wollen sie zwischen 200 und 1500 Euro. „Das ist aber im Vergleich zu anderen noch harmlos“, sagt Paul, der den größten Betrag investieren will. Böllern will er von 18 Uhr bis morgens um 6 Uhr. Julius Nowottnick (39), Chef der Feuerwerksvitrine, kennt seine „Pyros“ – und weiß, was sie wollen. Er selbst kam als Liebhaber längst vergessenen Feuerwerks zum Geschäft.
Sebastian füllte seine XXL-Einkaufstasche prall – nun steht aber noch eine Tour durch die Discounter an.
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Sortiment für Laien nahezu unüberschaubar
„Ich wuchs in der DDR auf, war früher feuerwerksbegeistert – und musste irgendwann feststellen, dass sich der Markt wandelt, dass es viele der Produkte, mit denen ich aufwuchs, plötzlich nicht mehr gab.“ Also begab er sich auf die Suche nach den Raritäten, sammelte – und öffnete 2004 seinen Laden, dem er den passenden Namen gab.
Inzwischen hat sich das Geschäftsmodell gewandelt. Die Feuerwerksvitrine bietet auch aktuelle Produkte an – und seit diesem Jahr nur noch welche mit dem CE-Kennzeichen der EU.
Alte Produkte, die nur noch das Siegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -Prüfung (BAM) tragen, dürfen heute gar nicht mehr verkauft werden. „Und der Markt ist noch immer im Wandel, weil der ganze europäische Handel durch die neuen Regelungen in der Lage ist, seine Produkte anzubieten.“
Das Sortiment sei für Laien heute deshalb nahezu unüberschaubar, das Angebot gigantisch groß. „Wir bedienen hier aber vor allem Leute mit Freak-Potenzial. Die beschäftigen sich das ganze Jahr damit, brauchen das große Angebot eigentlich nicht, sondern wollen nur wissen, dass sie bei uns ihr ganz bestimmtes Wunschprodukt auch bekommen.“
„Es ist nicht die Waffe, die den Menschen tötet, es ist der Mensch“
Der Trend geht laut ihm noch immer zum Batteriefeuerwerk, vor allem zu sogenannten „Verbundbrettern“, die aus mehreren zusammengebauten und fertig verleiteten Batterien bestehen. Sie seien sicherer, da massiv gebaut – und befeuern auch einen anderen Trend. „Der Nutzer wird immer mehr zum passiven Teil des Feuerwerks. Heute muss man nicht mehr 100 einzelne Raketen zünden, sondern braucht nur einmal das Feuerzeug zücken, um ein Feuerwerk zu sehen.“
Echte Pyromanen zünden aber auch gern einzeln – und auch klassische Silvesterraketen. Ihnen geht es um den Spaß, um die Freude. Von den Diskussionen um das Böllerverbot, die derzeit überall laufen, lassen sie sich nicht unterkriegen. Nowottnick weiß: „Eigentlich ist alles gesetzlich geregelt – und die meisten Dinge, die passieren, beginnen mit illegalen Handlungen. Dann, wenn Leute betrunken zünden oder illegale Böller aus dem Ausland importieren.“
Freudige Gesichter. Jetzt kann Silvester ja kommen.
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Die Feuerwerker, die hier mitten in der Nacht vor dem Laden stehen, seien ungefährlich, weil sie verantwortungsvoll mit ihren Feuerwerkskörpern umgehen, weil sie sich extrem gut mit dem Thema auskennen. „Es ist nicht die Waffe, die den Menschen tötet, es ist der Mensch.“ Verstöße gegen das Gesetz müssten nur besser kontrolliert werden. Für friedliches Feuerwerk macht das Team des Ladens auch Werbung.
Böllerverbot sei totaler Blödsinn
„Wir beteiligen uns an Diskussionsrunden, stellen uns als Ansprechpartner zur Verfügung.“ Bis ein Böllerverbot kommt, könnten Jahre ins Land gehen, sagt der Experte. Feuerwerks-Fan Sebastian sieht es nüchterner. „Totaler Blödsinn“, nennt er das Verbot. „Das ist wie wenn man Weihnachtsbäume verbieten würde.
Dafür gibt man einmal im Jahr für kurze Zeit Geld aus. Es gibt aber viele Leute, die mit den Sachen nicht umgehen können – denen muss man es verbieten.“ In bestimmten Ecken könne man ein Feuerwerksverbot sowieso nicht durchsetzen. „In Berlin kann es auch niemand kontrollieren.“ Er will sich den Spaß nicht nehmen lassen – und verlässt mit einer vollen XXL-Einkaufstüte den Laden.
Ihm hat das Feuerwerk übrigens auch etwas Gutes gebracht: „Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, um mehr Geld für die Knaller zu haben.“ Das Geld, das er heute nicht mehr in Zigaretten investiert, legt er zurück – und lässt es dann, am Jahresende, so richtig krachen.
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