Im dritten Jahr nach dem terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz hat die Stadt zu einer Form des Gedenkens gefunden, bei der es wohl erstmal bleiben wird. Stille und Kerzen anstelle von elektrischem Licht, Gesänge und Gebete, Blumen und Glockenschläge – all das ist durchaus anrührend und doch bildet die durchkomponierte Form einen scharfen Gegensatz zum echten Verlust, den dieser Anschlag bewirkt hat. Das ist kein Vorwurf, es ist nur eine Feststellung. Es kann vielleicht nicht anders sein.
Am 19. Dezember jährt sich zum dritten Mal der furchtbare Anschlag
In den zurückliegenden drei Jahren sind uns Menschen im Zusammenhang mit diesem Anschlag begegnet, die am 19. Dezember 2016 einen persönlichen Verlust erlitten haben. Wir haben sie angerufen, sie besucht, weil wir ihre Geschichten erzählen wollten. Es war der Wunsch, dass diese Menschen im Mittelpunkt einer Berichterstattung stehen sollten und nicht der Täter, mit dem man sich ja auch befassen musste, mit seinen Motiven, um zu verhindern, dass sich Ähnliches wiederholt.
Menschen versammeln sich an den Stufen mit den Namen der zwölf Verstorbenen, die zur Kirche hinaufführen.
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Auch die Gedenkveranstaltung stellt den Verlust in den Mittelpunkt. „Am 19. Dezember jährt sich zum dritten Mal der furchtbare Anschlag auf dem Breitscheidplatz, bei dem zwölf Menschen getötet, mehr als 70 Personen körperlich und viele weitere seelisch verletzt wurden. „Den Angehörigen und ihren Hinterbliebenen sowie allen Menschen, die betroffen waren, gehört unser Mitgefühl“, heißt es in der Einladung der evangelischen Kirche, die die Gedenkveranstaltung organisiert hat.
Chen Elyakim aus Israel spricht über den Verlust ihrer Mutter Dalia
Nach der Andacht in der Gedächtniskirche kommen Vertreter des Landes und des Bundes mit den Angehörigen der Opfer an die Stufen. Petr Cizmar und David sind gekommen. Es ist jetzt ganz still. An den Ständen in der Nähe wird nichts mehr verkauft. Die Menschen schweigen. Pfarrer Martin Germer spricht von einem Tag schmerzender Erinnerungen. Dann ist Chen Elyakim aus Israel dran. Sie spricht über den Verlust ihrer Mutter Dalia, die bei dem Anschlag ums Leben gekommen ist. „Der 19. Dezember 2016 hat unser Leben für immer verändert. An diesem Tag wurde meine Mutter vermisst gemeldet und es vergingen zwei Tage zwischen Hoffnung und Verzweiflung, bis wir die Nachricht erhielten, dass sie gestorben ist“, sagt sie. In den vergangenen drei Jahren habe sie jedoch auch wunderbare Menschen kennen gelernt. „Dieser Ort des Gedenkens ist ein Anker für alle, die Angehörige verloren haben. Erinnern trägt Hoffnung“, sagt sie.
Anschließend werden die Lichter auf dem Markt ausgeschaltet. Kerzen brennen, Um 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlages beginnen die Glocken aus dem Ruinenturm der Gedächtniskirche zu schlagen. Zwölf Schläge für zwölf verlorene Leben. Violinenklänge durchbrechen die anschließende Stille.
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