Frage: Mit 18 Jahren wurden Sie für den Film entdeckt. „Eine Berliner Romanze“ machte Sie schlagartig bekannt. Was hat das mit Ihnen gemacht?
Annekathrin Bürger: Der Erfolg hat mich verunsichert. Ich legte viel Wert auf Äußerlichkeiten und war nicht sehr glücklich. Ich wechselte vom ersten Engagement am Deutschen Theater nach Senftenberg, um mich freizuspielen.
Sie drehen immer noch Filme, schreiben Gedichte, touren mit „Weisheiten der Liebe“ und ihrem Lyrik- und Chansonprogramm „Liebe ist das schönste Gift“. Ruhestand ist nichts für Sie?
Das ist ja langweilig! Ich fühle mich wie 50, sehe wie 70 aus. Ich bin nun mal kein Großmutter-Typ.
Ist ihr Beruf Berufung?
Ich habe keinen verbissenen Ehrgeiz. Und ich habe keine Lust, ständig präsent zu sein. Schon allein deshalb, weil ich zu faul bin.
So sah Annekathrin Bürger als junge Frau aus.
© imago
Sie meiden die „Events“ in Berlin schon lange. Warum?
Dazu habe ich keine Lust. Immer muss man sich eine neue Klamotte anschaffen – und mir passen keine Klamotten von den Modelabels. Ich habe kaputte Knie und kann bei aller Liebe nicht mehr auf High Heels laufen. Auch diese schreienden Fotografen am roten Teppich nerven. Das ist eine Unsitte. Das muss ich mir in meinem Alter nicht unbedingt mehr antun.
Sie werden gerne als Traumfrau des Ostens oder die Brigitte Bardot des Sozialismus bezeichnet. Wie fühlt man sich als Traumfrau?
Das war schmeichelhaft. Ich fand Brigitte Bardot sehr schön, aber ich war anders. Mein Vorbild war eher eine Schauspielerin wie Simone Signoret.
Sie haben mehr als 40 Jahre an der Berliner Volksbühne gespielt – was sagen Sie zum Kulturkampf um Frank Castorf und seinen Nachfolger Chris Dercon?
Castorf hat wirklich Theatergeschichte geschrieben. In der Geschichte ist es oft so, dass Epochen zu Ende gehen. Das ist tragisch, aber auch normal. Was nicht normal ist, dass in der Volksbühne wahrscheinlich ein Eventschuppen entsteht.
Sie arbeiten sehr viel – wie entspannen Sie sich?
Ich lese unter anderem gerne skandinavische Krimis. Richtig gute Romanciers schreiben ja inzwischen Krimis. Und dann habe ich immer Stapel von Büchern liegen, die man noch lesen sollte.
Wie verbringen Sie Ihren 80. Geburtstag?
Mit meiner Familie. Wir feiern in meinen Geburtstag hinein.
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