Angst in Parks? Ja, leider!

Kreuzbergs Bürgermeisterin spricht für viele Frauen

Monika Herrmann hält Parks nachts für gefährlich. Damit steht sie kaum allein.

Anne Vorbringer
Lesezeit 4 Min
Polizeibeamte kontrollieren im Görlitzer Park mutmaßliche Drogendealer.

Polizeibeamte kontrollieren im Görlitzer Park mutmaßliche Drogendealer.

© dpa

Diesmal hat die 55-Jährige von Parks im Allgemeinen gesprochen und in der Zeitung Die Welt gesagt: „Ich gehe in Berlin durch gar keine Parks. Ich weiß ja nicht, wie Sie das handhaben, aber das ist mir als Frau zu gefährlich.“

Monika Herrmann: Immer für aufgeregte Debatten gut.

Monika Herrmann: Immer für aufgeregte Debatten gut.

© imago/Piero Chiussi

Schon hagelt es Kritik von allen Seiten. Von einer „Bankrotterklärung“ spricht Kurt Wansner, Wahlkreisabgeordneter aus Friedrichshain-Kreuzberg der CDU-Fraktion Berlin: „Wer wie Frau Herrmann Drogenkriminalität nicht bekämpft, sondern Dealer in Parks ,integrieren‘ will, muss sich über die Folgen nicht wundern. Wenn sie sich nun selbst da nachts nicht mehr durchtraut, muss sie sich fragen, ob sie als Bürgermeisterin des Bezirks noch tragbar ist."

Bekannte Debatte über No-Go-Areas in Berlin

Und schon sind wir mittendrin in einer nicht neuen Debatte über No-Go-Areas in der Stadt. Sie flammt in regelmäßigen Abständen auf, geschürt von Polizeigewerkschaftern oder von Politikern. Reflexhaft abgewehrt von anderen Politikern, von Polizei und Tourismuswerbern. Und so meldet sich auch diesmal, nach Herrmanns Bekenntnis, Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik zu Wort: „Ich bedauere, dass Frau Herrmann diese Ängste hat. Ich persönlich bewege mich frei davon in unserer Stadt – in ganz Berlin.“

Kritisiert Herrmanns Äußerungen scharf: der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner

Kritisiert Herrmanns Äußerungen scharf: der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner

© imago images / Christian Ditsch

Als Polizeipräsidentin muss Frau Slowik so etwas freilich sagen, wenn sie sich schon zur Sache einlässt. Dass sie dabei für kaum eine Frau in Berlin sprechen dürfte, gehört aber zur Wahrheit auch dazu. Oder kennen Sie eine Frau, die nachts bereitwillig und frei von Ängsten oder unguten Gefühlen unterwegs ist? Ich nicht. Das ist übrigens kein neues Phänomen: Schon in meiner Studentenzeit in den Neunzigern vermied ich es, nachts allein Öffentliche zu fahren, noch heute nehme ich ein Taxi oder das Auto, wenn ich weiß, dass ich spät nach Hause kommen werde.

Nachts im Park: Niemals sorglos

Frauen können sich nicht, und das gehört zu einer ehrlichen Debatte dazu, sorglos bewegen. Da kann die Kriminalitätsstatistik rückläufige Zahlen ausweisen wie sie will. Es gehört zum Frau-Sein dazu, sich umzublicken, wenn man in einsamen Gegenden unterwegs ist, die Straßenseite zu wechseln, weil man sich unwohl fühlt – und eben nachts nicht allein durch Parks zu stiefeln. Übrigens würden auch viele Männer das nicht tun.

Es ist am Ende auch eine Frage der Erziehung – wie oft wird Mädchen eingebläut, besonders nachts auf sich aufzupassen, nicht allein irgendwo unterwegs zu sein. Lieber stehen die Eltern nachts auf und holen die Töchter von der Party ab. Das war schon in den Achtzigern so und wird sich vermutlich auch nicht ändern. Das ist auch kein spezifisches Berliner Thema, es betrifft andere Metropolen genauso. 

Görli: Die Dealer sind nicht Monika Herrmanns Problem

Insofern ist die Aussage der Bürgermeisterin eigentlich nur ehrlich und sollte für sich genommen unproblematisch sein – was natürlich nicht der Fall ist. Weil eine Politikerin natürlich mit Zuständigkeiten verknüpft wird, in Herrmanns Fall vor allem mit Zuständigkeiten im Görli. Auch wenn ihre Sätze überhaupt nichts mit Dealern zu tun haben, schweift die Diskussion an dieser Stelle allzu willfährig auf Herrmanns umstrittene Parkpolitik. Erst kürzlich war sie wieder kritisiert worden, weil sie gesagt hatte, der Bezirk wolle in dem Park keine Gruppe ausgrenzen und vertreiben, das gelte auch für die Dealer. Doch am Ende sind es ja meist nicht die Dealer, die Parkbesucher angreifen würden. Diebstähle und Überfälle auf Touristen und andere Spaziergänger werden eher von anderen Gruppen verübt. Warum also diese beiden Themen überhaupt miteinander verknüpfen, wie es Herr Wansner tut

In Sachen „No-Go-Areas“ ist es wohl am besten, und das gilt für alle Debatten, den Schaum vom Mund zu wischen und zuzugestehen, dass es zwei Dinge nicht geben wird: eine Großstadt ohne Gefahrenlagen und eine Frau, die sich nachts in jeder Ecke von Berlin sorglos bewegen kann.

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