Der Mann hatte nach seiner Einreise in Deutschland behauptet, er habe sich von den Taliban abgewandt und sei geflohen. Bei einer Rückkehr drohe ihm die Ermordung.
Kalaschnikow-Angriff auf Polizeisperre
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann Mitgliedschaft in der terroristischen Taliban-Vereinigung sowie versuchten Mord vor. Demnach soll er mit anderen Kämpfern eine Polizeisperre in Afghanistan angegriffen und mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen haben.
Die Taliban verfolgt laut Bundesanwaltschaft das Ziel, ausländische Streitkräfte zu vertreiben, die Regierung zu stürzen und einen auf der Scharia basierenden islamischen Staat zu errichten. Die Anklage fußt auf Aussagen des Mannes beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die er auch im Ermittlungsverfahren wiederholte.
Schlepper hätten ihm geraten, sich eine Geschichte mit Lebensgefahr auszudenken, gab der Angeklagte laut Erklärung an. Diese habe er dann beim Bundesamt erzählt und auch ein jüngeres Alter angegeben. Laut Anklage ist der Mann cirka 29 Jahre alt.
„Zu keiner Zeit radikalisiert“
Bundesanwalt Malte Merz sagte am Rande, im Prozess komme es nun darauf an, Dichtung und Wahrheit zu trennen. Sollte der Angeklagte falsche Angaben gemacht haben, könnte ihm ein weiteres Verfahren drohen. Die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung wird laut Merz in Deutschland als Straftat verfolgt, wenn Verdächtige hierherkommen.
Der Angeklagte sitzt seit Oktober 2016 in Untersuchungshaft. Er habe nicht damit gerechnet, wegen der erfundenen Geschichte im Gefängnis zu landen. Er beteuerte entgegen bisherigen Aussagen, sein Vater sei nicht tot, sein Onkel kein Taliban-Kommandeur, er sei nicht im Kampf verletzt worden. „Ich habe mich zu keiner Zeit radikalisiert und ich habe noch nie auf einen Menschen geschossen“, heißt es in der Erklärung.
Der Mann stammt nach eigenen Angaben aus einer armen ländlichen Region und war drei Jahre in der Schule. Es sei der Traum vieler junger Afghanen, nach Europa zu gehen und ein neues Leben anzufangen. Drei Cousins des Angeklagten sollen nach seiner Darstellung in England leben und ein Restaurant betreiben. Er habe ihrem Beispiel folgen wollen.
Wie der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen mehr als 70 Männer, die in Afghanistan bei den Taliban gekämpft haben sollen. Zudem sollen sich mehrere Tausend Asylbewerber als Taliban bekannt haben. Die Ermittler müssten nun klären, ob gefährliche Kämpfer nach Deutschland kamen oder ob sich Afghanen bessere Bleibechancen mit falschen Lebensläufen erhoffen. (dpa)
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