So schnell wie er ist in der Schlagerszene kaum einer durchgestartet: Andreas Gabalier (30) begann 2009 als schnuckeliger Bua im „Musikantenstadl“, bewarb sich ganz brav und bieder mit seiner treuen Oma an der Seite für den Volksmusik-Grand-Prix – und ist jetzt als gstandenes Manderl die absolute Nr. 1 im Showgeschäft. Mit seinem Auftritt in der ersten Staffel von „Sing meinen Song“ hat er sich auch Musikfans abseits der Schlagerszene empfohlen. In diesem Jahr ist er auf großer Arena-Tour, die ihn am 7. November auch in die Mercedes-Benz Arena (bis 1. Juli o2 World) in Berlin führt (Tickets ab 52,70 Euro); im nächsten Jahr geht er in die Stadien. Dabei hat er sich vom Erfolg nicht verbiegen lassen, wie er im Interview mit KURIER-Autor Horst Stellmacher beweist.
KURIER: Was fühlen Sie, wenn Sie zum Soundcheck eine leere Riesenhalle betreten und wissen, dass da in wenigen Stunden die Hölle los ist?
Andreas Gabalier: Das ist Gänsehaut pur, ein unendliches Glücksgefühl! Es ist ja viel mehr als die Musik geworden: Es geht um Lebensfreude und Lebensgefühl. Die Leute putzen sich raus, kommen in Tracht, in Lederhose und Dirndl … Wahnsinn!
Sie haben Ihre Platte letztes Mal in Nashville und Memphis aufgenommen, dieses Mal wurde in der Steiermark produziert. Warum der Wechsel?
Ich liebe es, einmal hierhin, einmal dahin zu reisen, immer eine größere Stadt, größere Studios, noch mehr Gastmusiker und eines Tages Amerika. Nashville und Memphis waren da ganz wichtige Erfahrungen. Doch der Musik kann es auch gut tun, wenn man nicht jede Nacht in der Fremde einschläft. Es tat gut, zu Hause zu produzieren, in der Früh die Harmonikas einzuspielen, am Bach zu sitzen und zu frühstücken, dann mit der Arbeit zu beginnen. Man merkt es der neuen Platte an, dass sie nicht in einem Studio-Bunker, der manchmal wie ein Irrenhaus aussieht, produziert wurde.
Was macht der Erfolg mit Ihnen?
Ich erlebe einen außerordentlichen Alltag. Und freue mich wahnsinnig, wenn ich sehe, wie wir mit in Dialekt gesungener österreichischer Musik die Massen begeistern und bis in den hohen Norden hinauf die größten Hallen bespielen. Vor drei Jahren waren die meisten der Meinung, dass das höchstens in Bayern funktioniert.
Haben Sie ein Rezept, mit dem Sie es schaffen, trotz Erfolg auf dem Boden bleiben?
Man muss bei Erfolg nicht zwangsweise abheben und einen Schaden davon tragen, nur weil es in der Vergangenheit in einigen Fällen der Fall war. Wenn ich heimkomme, ist alles beim Alten – in meiner Gasse, bei meinen Brüdern, bei meinen Nachbarn. Daheim bin ich weiterhin der ganz normale Andi und kein Superstar.
Woran erkennt man das?
Ich laufe in der Unterhose rum, wasche meine Wäsche, mache das Bier für meine Freunde auf, wir schauen Fußball, legen uns Koteletts auf den Grill. Ich bin viel auf dem Mountainbike, auf dem Ski, am Berg und hin und wieder mit meiner Motorradgang unterwegs.
Nix mit Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll?
Nö. Ich habe nie wirklich gesoffen, trinke wesentlich weniger als zur Uni-Zeit. Ich habe keine Lust, mich in eine Bar zu setzen, wenn der Tag vorbei ist.
Sie sind wieder in festen Händen. Ein gutes Gefühl?
Es läuft gut mit uns, es ist alles sehr entspannt. Silvia weiß, wo ich arbeite, sie kennt die Show-Welt aus eigener Erfahrung, aber auch die andere, denn sie kommt aus einer sehr bodenständigen Familie und schreibt gerade an ihrer Jura-Doktorarbeit. Sie sieht alles, was ist, mit der nötigen Reife. Wir freuen uns auf die wenige Freizeit, die wir haben, die schätzen wir dann umso mehr, und reden dann höchst selten vom Beruf. Es gibt auch keinen Stress, wenn ich unterwegs sein muss. Das ist bei einigen Kollegen anders, die klagen dann: Ich habe Probleme zu Hause, weil ich nie da bin.
Wie wär’s mit einem Kind zum großen Glück?
Wenn der Storch spontan an die Türe klopft – gut. Aber geplant ist es nicht. Weil ich mich auf diese Zeit freuen möchte. Ich möchte nicht mit Wehmut wegfahren und mich fragen: Was ist denn jetzt zu Hause los? Ich möchte nicht wie momentan fünf, sechs, sieben Tage die Woche unterwegs sein und nix davon mitkriegen, wie die Kinder heranwachsen. Da gibt es viele abschreckende Beispiele. Wenn es zu Nachwuchs kommt, möchte ich zwei, drei Gänge zurückschalten können und nur noch wenige Tage die Woche unterwegs sein.
Große Prominenz hat oft ihre Nachteile. Sie haben das gerade am eigenen Beispiel kennengelernt …
Das Leben ist manchmal mühsam, weil alles, was ich sage, auf die Waagschale gelegt wird. Wenn mir dann mal ein Wort zu viel rausrutscht, wird mir das gleich angekreidet. Dennoch ist es besser, die ehrliche Meinung zu vertreten und dahinter zu stehen und nicht – nur weil man in der Öffentlichkeit steht – im Strom mitzuschwimmen und dann für Dinge zu stehen, für die ich nicht stehen möchte.
Sie sind mit Ihren Äußerungen zur Sexual-Moral in Österreich in einige Fettnäpfchen getreten. Ihr Beitrag zur Schwulen-Debatte rund um den Song-Contest rief Proteste hervor …
… dabei habe ich bei einer Preisverleihung nur gesagt, dass man es als Manderl nicht leicht auf dieser Welt hat, wenn man noch auf Weiberl steht. So einen Satz versteht doch jeder, da muss man sich doch nicht rechtfertigen.
Sie verbringen einen großen Teil Ihres Lebens in der wunderschönen Obersteiermark. Schöne Landschaften geraten immer mehr in Gefahr. Angst, dass Ihre Heimat durch Fremdenverkehr und Wintersport zerstört wird?
Das sehe ich nicht so verbissen. Wir haben in der Steiermark noch unglaublich viele Naturschutzgebiete, in denen wir wirklich noch wandern können. Wir sind nicht Tirol, wo wirklich massiv und teilweise sehr wild für den Tourismus gebaut wird. Zudem glaube ich, dass die Gefahr immer geringer wird, weil die Bewegungslust im Volke immer mehr sinkt. Die Leute machen weniger Sport, gehen seltener in die Natur, dafür lieber ins Fitnessstudio, wo sie von der Klimaanlage ins Schwitzen gebracht werden.
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