Träume von der Freiheit

„Am Kochtopp stehn is nischt für mich“ So sah die DDR-Jugend die Zukunft

Eine wiederentdeckte DEFA-Dokumentation zeigt junge Paare in der DDR und ihre Träume von Liebe, Familie, Beruf und Freiheit.

Foto von Autor/Autorin: Florian Thalmann
Lesezeit 5 Min
In der Doku „Jugend-Zeit zu zweit“ berichten junge Menschen in der DDR über ihre Wünsche und Träume und blicken in Interviews in die Zukunft.

In der Doku „Jugend-Zeit zu zweit“ berichten junge Menschen in der DDR über ihre Wünsche und Träume und blicken in Interviews in die Zukunft.

© DEFA-Stiftung/Youtube

Erinnern Sie sich noch, welche Wünsche, Träume und Hoffnungen sie als junger Mensch hatten? Wer wissen will, wie die jungen Menschen in der DDR tickten, der findet in den kurzen Dokumentationen des Regisseurs und Filmemachers Roland Steiner eine unerschöpfliche Quelle an Alltagsszenen. Eine seiner Dokus trägt den Titel „Jugend-Zeit zu zweit“. Die DEFA-Stiftung hat den Streifen von 1981 jetzt wieder aus der Schatzkammer geholt und neu veröffentlicht. Er zeigt, wie sich die DDR-Jugend die Zukunft vorstellte – und was sie sich wünschten.

DDR-Jugend wollte was von der Welt sehen

Roland Steiner hat sich in mehrere Dokumentationen den Kindern und Jugendlichen der DDR gewidmet. Vor einiger Zeit berichteten wir bereits über seine Kurz-Doku „Jugend-Zeit … in der Stadt“, in der sich Jugendliche beispielsweise darüber stritten, ob sie schon bereit für eine eigene Schrankwand seien.

Ein spannendes Zeitzeugnis darüber, wie die Gesellschaft und ihre jungen Menschen früher tickten. Auch „Jugend-Zeit zu zweit“ beleuchtet das Thema – anhand von drei jungen Paaren, die die Filmemacher vor einem DDR-Standesamt kennenlernten und anschließend befragten.

Das erste junge Paar sitzt in einer Wohnstube, die Namen der beiden werden nicht genannt. „Wir haben uns schon Gedanken drüber gemacht“, sagt die junge Frau auf die Frage nach der Zukunft. Viele würden sich vornehmen, sich nach der Hochzeit erstmal ein Kind anzuschaffen. „Das wollen wir nicht. Wir wollen das Kind erstmal ziemlich weit wegschieben, wollen jetzt erstmal ein bisschen von der Welt sehen, auf jeden Fall reisen.“

Ein Kind planten die beiden frühestens in vier oder fünf Jahren. „Für mich wäre es im Moment eine Belastung, weil ich eben noch zu viel sehen möchte von der Welt. Ich möchte auch mal nach’m Ausland – und das geht ja mit Kind nicht.“

Die DDR-Jugend und ihre Träume: Das Paar berichtet, dass sie sich noch etwas zu jung für Kinder fühlen. Denn sie wollen erst etwas von der Welt sehen und ins Ausland reisen.

Die DDR-Jugend und ihre Träume: Das Paar berichtet, dass sie sich noch etwas zu jung für Kinder fühlen. Denn sie wollen erst etwas von der Welt sehen und ins Ausland reisen.

© DEFA-Stiftung/Youtube

Eine „Hausmutter“ wolle sie nicht werden, erklärt sie mit dem besten Berliner dialekt. „Am Kochtopp stehen, Wäsche waschen und denn kommt Besuch, da muss man schnell saubermachen – nischt für mich.“ Sie wolle lieber etwas erleben. Wenn Kinder da sind, „wird jeden Tag Mittag gekocht“, sagt sie. Und das sei langweilig. Auch ihr Mann glaubt, dass Kinder aktuell zu stressig wären – schließlich sollen sie auch in Liebe aufwachsen, aber im Moment beherrsche zu viel Stress den Alltag.

Jugend-Doku aus der DDR ist jetzt kostenlos

Mehrere junge Menschen kommen in dem Film von 1981 zum Reden – was sie aus ihrem Alltag berichten, ist heute ein interessantes Zeitzeugnis. Wer sich dafür interessiert, kann die gerade einmal rund 20 Minuten lange Doku nun kostenlos anschauen. Denn die DEFA-Stiftung, die das Film-Erbe der DDR verwaltet, hat den Film auf dem Youtube-Kanal „DEFA-Filmwelt“ wieder online gestellt. Wollen Sie wissen, mit welchen Gedanken sich junge Paare in der DDR befassten? Dann schauen Sie mal rein!

Auch eine andere junge Frau spricht über die Ehe mit ihrem Mann – allerdings allein. Denn ihr Partner ist gerade bei der Armee. Das erste Kind ist bereits unterwegs, drei sollen es werden. „Wenn er wiederkommt, ist er schon Vater.“  Trotz Kinderwunsch gibt es berufliche Pläne. Ihr Mann wolle Kraftfahrzeugschlosser werden. sie selbst arbeitet in einer Krippe, wolle aber Fürsorgerin studieren. „Fernstudium ist eigentlich nicht so schlimm, müsste man schaffen“, sagt sie optimistisch.

Jugend in der DDR: Arbeit, Studium, Kinderwunsch

Studium, Arbeit und drei Kinder: Könnte das nicht etwas viel werden? „Wenn wir gut zusammenarbeiten, dürfte das eigentlich richtig glatt gehen.“ Eine Herangehensweise wie bei dem anderen Paar komme für sie aber nicht infrage, erklärt die Frau. Denn ihr Kinderwunsch sei sehr ausgeprägt, weil sie jeden Tag mit Kindern arbeitet.

Diese junge Frau berichtet, sie wolle sich mit ihrem Mann jetzt endlich eine Schrankwand kaufen. Ein Thema, das die Jugend in der DDR offenbar immer wieder beschäftigte.

Diese junge Frau berichtet, sie wolle sich mit ihrem Mann jetzt endlich eine Schrankwand kaufen. Ein Thema, das die Jugend in der DDR offenbar immer wieder beschäftigte.

© DEFA-Stiftung/Youtube

Und auch ihr Alter von 20 Jahren sei gut. „Mit 25 ist man ja dann schon älter – und das ist auch nicht gut für die Gesundheit der Mutter.“ Der Plan für die Zukunft steht – denn auch hier tritt sie plötzlich wieder ins Rampenlicht, die Schrankwand, die auch schon in „Jugend-Zeit … in der Stadt“ das große Thema für die Jugendlichen war.

DDR-Träume: Schrankwand sollte bald gekauft werden

„Den Grundriss von der Wohnung – Schrankwand und Couchgarnitur – wollen wir uns jetzt kaufen, während der Armeezeit, vom Ehekredit“, erklärt die junge Frau. Und wenn sie dann eine gemeinsame Wohnung bekommen, dann wird sie so eingerichtet, wie es das Geld erlaubt. Der Ehekredit war übrigens eine staatliche Finanzhilfe in der DDR. Ab 1972 erhielten junge Ehepaare bis zu 5.000 Mark, später 7.000 Mark.

Eine alte Truhe oder ein Schaukelstuhl soll es aber sein. Dafür musste die Beziehung aber erst die Armee-Zeit überstehen. Denn viele Ehen von anderen Soldaten aus dem Umfeld ihres Mannes seien bereits in die Brüche gegangen. Ob diese DDR-Liebe die Zeit bei der NVA überstanden hat, wird im Film leider nicht beantwortet.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Jugend in der DDR? Schicken Sie uns eine Nachricht per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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