Forschung

Wichtiger Durchbruch bei Alzheimer: Das bedeutet er für Sie und Ihre Liebsten

Ein neuer Alzheimer-Bluttest wurde in den USA freigegeben. Was der medizinische Fortschritt bedeutet und welche Folgen er für Deutschland haben könnte.

Foto von Autor/Autorin: Mariella Mandurino
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Alzheimer ist eine bislang unheilbare Krankheit.

Alzheimer ist eine bislang unheilbare Krankheit.

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Ein Piks statt einer Nadel in den Rücken: Ein neuer Alzheimer-Bluttest sorgt in den USA für Aufsehen und könnte langfristig auch die Diagnostik in Deutschland verändern. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat PrecivityAD2 für die Vermarktung freigegeben. Für Patienten mit Gedächtnis- oder anderen kognitiven Beschwerden könnte damit ein bislang aufwendiger Weg deutlich einfacher werden.

Bluttest erkennt typische Veränderungen mit hoher Genauigkeit

Denn bei Verdacht auf Alzheimer werden neben Gedächtnistests bislang unter anderem Nervenwasser-Untersuchungen und spezielle Hirnaufnahmen eingesetzt, wie t-online zuerst berichtete. Für die Entnahme von Nervenwasser ist eine Lumbalpunktion nötig. PrecivityAD2 benötigt dagegen lediglich Blut. Im Labor wird darin nach Biomarkern gesucht, die auf für Alzheimer typische Amyloid-Ablagerungen im Gehirn hindeuten.

Die lila Schleife ist das internationale Solidaritätszeichen und Erkennungszeichen für Alzheimer und Demenz.

Die lila Schleife ist das internationale Solidaritätszeichen und Erkennungszeichen für Alzheimer und Demenz.

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Amyloide sind fehlerhaft gefaltete Proteine, die sich als unlösliche Klumpen im Gewebe ablagern und Organe schädigen können. Die technologische Grundlage entstand an der Washington University School of Medicine in St. Louis. An der Forschung beteiligt war auch das Universitäts-Start-up C2N Diagnostics.

Nach Angaben der Wissenschaftler erreichte PrecivityAD2 in früheren Untersuchungen eine Genauigkeit von mehr als 90 Prozent beim Erkennen der Amyloid-Pathologie. Seine Leistung sei mit Nervenwasser-Tests und Hirnscans vergleichbar.

Für wen der neue Alzheimer-Bluttest geeignet ist

Dafür werden mehrere Eiweißmarker im Blut hochpräzise gemessen. Entscheidend sind bestimmte Formen von Amyloid und Tau. Aus ihren Verhältnissen lässt sich ableiten, ob jene Ablagerungen vorliegen, die eng mit Alzheimer verbunden sind.

Für Menschen mit ersten nachweisbaren kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen kann der Test interessant sein. Für Menschen ohne entsprechende Beschwerden ist er dagegen nicht als allgemeiner Alzheimer-Check gedacht.

Der entscheidende Fortschritt liegt in der möglichen Vereinfachung der Abklärung. Eine Blutentnahme ist weniger invasiv als eine Lumbalpunktion und könnte leichter zugänglich sein. Eine frühe Einordnung gewinnt zudem an Bedeutung, weil inzwischen Therapien existieren, die den Krankheitsverlauf bei bestimmten Patienten verlangsamen können und möglichst früh eingesetzt werden sollen.

Ein Bluttest könnte bei der Alzheimer-Diagnose helfen.

Ein Bluttest könnte bei der Alzheimer-Diagnose helfen.

© Jens Kalaene

Wichtig bleibt jedoch: Ein auffälliger Blutwert allein bedeutet nicht automatisch die Diagnose Alzheimer. Das Ergebnis muss gemeinsam mit Beschwerden, Krankengeschichte und weiteren medizinischen Informationen beurteilt werden.

Was bedeutet der Durchbruch für Deutschland?

Hierzulande ändert die amerikanische Entscheidung zunächst nichts unmittelbar. Die FDA entscheidet über den US-Markt. Trotzdem ist der Fortschritt auch für deutsche Patienten interessant: Der Demenz-Experte Özgür Onur von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sieht in leistungsfähigen Blutbiomarkern einen wichtigen Fortschritt.

Vor einem breiteren Einsatz in Deutschland sind allerdings noch mehrere Fragen zu klären. Zunächst muss sich zeigen, wie zuverlässig sie in der täglichen medizinischen Praxis funktionieren. Zudem braucht es einheitliche Standards und klar festgelegte Grenzwerte. Auch Faktoren wie das Alter sowie Nieren- oder Muskelerkrankungen können die Ergebnisse beeinflussen.

Für Deutschland bedeutet die US-Entscheidung also noch keinen neuen Bluttest in jeder Arztpraxis. Sie zeigt aber, wohin sich die Alzheimer-Diagnostik bewegen könnte: weg von ausschließlich aufwendigeren Untersuchungen und hin zur einfachen Blutprobe als möglichem wichtigen Baustein.

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