Altes Dynamo-Sporthotel

Hier trainiert nur noch das Elend

Erste Investoren-Träume sind geplatzt – jetzt gibt es neue Pläne.

Marcus Böttcher
Lesezeit 3 Min
Das verrottete Grundstück des ehemaligen Dynamo-Sporthotels.

Das verrottete Grundstück des ehemaligen Dynamo-Sporthotels.

© Volkmar Otto

Ein (nun geplatzter) Investoren-Traum. 450 Millionen Euro sollte „The Square“ auf dem Dynamo-Areal kosten.

Ein (nun geplatzter) Investoren-Traum. 450 Millionen Euro sollte „The Square“ auf dem Dynamo-Areal kosten.

© Volkmar Otto/Moritz Gruppe Lava

„Seit sieben Jahren schaue ich aus meinem Laden auf diesen Schandfleck“, schimpft Olga Kowalewskij. „Ich hatte so große Hoffnungen in eine Neu-Bebauung. Mittlerweile glaube ich nicht, dass sich in den kommenden Jahren hier noch etwas ändern wird.“ Die 48-jährige Kowalewskij arbeitet in „Evas Spätkauf“ direkt gegenüber der Ruine des DDR-Sporthotels in der Konrad-Wolf-Straße – und bekommt hoffentlich nicht recht.

Seit gut zwanzig Jahren verfallen Sporthotel und Kongresszentrum in Hohenschönhausen. Olga Kowalewskij ist darüber bitter enttäuscht.

Seit gut zwanzig Jahren verfallen Sporthotel und Kongresszentrum in Hohenschönhausen. Olga Kowalewskij ist darüber bitter enttäuscht.

© Volkmar Otto

Denn zu viele Akteure mischen mit im Ringen um das Lichtenberger Filetgrundstück. „The:Square3“ etwa konnte trotz fortgeschrittener Planungen nicht realisiert werden, weil es Zoff zwischen Projektentwickler und Grundstückseigentümer gab. Offiziell klingt das so: „Die verschiedenen Vorstellungen konnten letztlich nicht zusammengebracht werden“, so ein Beteiligter.

Das reale Leben jucken die Streitigkeiten wenig. Sporthotel und Kongresszentrum verrotten zusehends. Betrunkene Obdachlose ziehen sich nachts in die dunklen Räume zurück, Jugendliche feiern mit Graffiti-Dosen und Zerstörungswut ausschweifende Partys, immer wieder brennt es. Erst Ende April rückte die Feuerwehr an.

Jana Härtel hat sich mittlerweile an den „grausigen Anblick“ gewöhnt, sagt sie. Schön findet sie den Schandfleck trotzdem nicht.

Jana Härtel hat sich mittlerweile an den „grausigen Anblick“ gewöhnt, sagt sie. Schön findet sie den Schandfleck trotzdem nicht.

© Volkmar Otto

Nun wird ein neuer Anlauf genommen, den Ende der 1970er errichteten, einstigen DDR-Vorzeigebau zu neuem Leben zu erwecken. Die „Immonen Group“ versucht ihr Glück, wie schon ihre Vorgänger mit der Planung einer Hochhausbebauung.

Das zentrale Gebäude soll ein 86 Meter hohes Bürohaus werden, das von einem kleineren Wohnhochhaus mit 54 Metern flankiert wird. Die weiteren Gebäude sollen den Höhen der umliegenden Bauten (unter 20 Metern) entsprechen. Der ganze Komplex soll mit Tiefgaragen untersetzt sein, eine Kita wird installiert, insgesamt 392 Wohnungen für 784 Berliner entstehen.

Das ehemalige Hotel der Sportstars der DDR verfaellt immer mehr.

Das ehemalige Hotel der Sportstars der DDR verfaellt immer mehr.

© Volkmar Otto

Aber, und das ist bereits aus dem Bezirksamt zu hören, müssten 25 Prozent der Wohnungen nach dem Berliner Modell errichtet werden – und im sozialverträglichen Mietsegment angeboten werden. Mit der gespenstigen Atmosphäre wäre es endlich vorbei.

Aber: Ob die „Immonen Group“ dies wirtschaftlich realisieren kann, bleibt abzuwarten. Die Planungen sollen sich noch im Anfangsstadium befinden, die zuständige Lichtenberger Baubehörde erwartet umfangreiche Auskünfte. Auf Anfrage des Berliner KURIER antwortete das Unternehmen nicht.

Das Gebäude ist zu einer Ruine verkommen.

Das Gebäude ist zu einer Ruine verkommen.

© Volkmar Otto

Birgit Monteiro, zuständig in Lichtenberg für das Ressort Stadtentwicklung, ist dennoch optimistisch. „Die Vorstellungen des Investors zeigen, dass endlich wieder Bewegung im Verfahren ist. In den kommenden Monaten wird unser Stadtplanungsamt die Pläne im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens prüfen. Hier sind noch viele Detailfragen zu klären“, so die SPD-Politikerin.

Die verfallenen Fassaden sind voller Graffiti. Auch Brandstifter zündelten mehrfach

Die verfallenen Fassaden sind voller Graffiti. Auch Brandstifter zündelten mehrfach

© Volkmar Otto

Sie jedenfalls öffnet den Investoren (deren Büro sich in Hohenschönhausen befindet) eine Tür: „Alle Beteiligten sind bemüht, möglichst ohne weitere Verzögerungen zu einem Ergebnis zu kommen, damit dieser prominente Standort aufgewertet wird.“  

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com