Berlin In der Debatte über den geplanten Mietendeckel hat der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch zu einem Dialog aufgerufen und eigene Vorschläge für einen Mieterschutz präsentiert. Zugleich warnt der Verband davor, dass seine Mitgliedsunternehmen aufgrund des Mietendeckels Investitionen zurückstellen würden.
„Ja, es gibt schwarze Schafe am Wohnungsmarkt, aber wir wissen alle: Schwarze Schafe sind nicht die Mehrheit der Herde“, sagt BBU-Chefin Maren Kern. Würden die Mieten generell für fünf Jahre eingefroren, wie mit dem Mietendeckel geplant, würde dies vor allem zulasten der gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen gehen, die ihre Mieten bisher nur moderat erhöhen.
Sinnvoll könnten laut BBU aber zielgerichtete, temporäre Mietenregulierungen sein. Kern nannte als Beispiel eine Absenkung der Mieterhöhungsmöglichkeit von bisher 15 auf 10 Prozent in drei Jahren. Denkbar wäre zudem, die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen und Eigenbedarfskündigungen zu erschweren. Außerdem seien weitere Beschränkungen bei der Umlage von Modernisierungskosten möglich.
Nachteilige Konsequenzen für Genossenschaften in Berlin
Bei den Eckpunkten zum Mietendeckel seien die nachteiligen Konsequenzen für die soziale Wohnungswirtschaft, zu der neben Genossenschaften die landeseigenen Unternehmen gehören, nicht ausreichend bedacht worden, so BBU-Chefin Kern. So würden viele Wohnungen bei einem Mieterwechsel saniert. Die Kosten könnten die Unternehmen aber nur schultern, wenn sie bei der Wiedervermietung eine höhere Miete verlangen dürfen. Falle diese Möglichkeit weg, könnten die Investitionen nicht bezahlt werden.
Sollte der Mietendeckel wie beschlossen Wirklichkeit werden, würden viele Wohnungsunternehmen Investitionen stoppen oder reduzieren, geht aus einer Umfrage des BBU hervor. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, sagten, sie würden energetische Modernisierungen deutlich reduzieren oder komplett stoppen.
Fast 90 Prozent rechnen mit Auswirkungen auf die Gestaltung des Wohnumfeldes. 71 Prozent erwarten eine drastische oder deutliche Verringerung des sozialen Engagements. „Die Umfrage zeigt, wo bei den Eckpunkten nochmal nachgedacht werden muss“, sagt BBU-Chefin Maren Kern.
Mieten der sechs landeseigenen Gesellschaften Berlins
Der BBU vertritt in Berlin 144 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 715 000 Wohnungen, darunter viele Genossenschaften und die landeseigenen Unternehmen. Die Deutsche Wohnen gehört auch dazu.
Während die Genossenschaften eine Miete von durchschnittlich um 5,60 Euro je Quadratmeter verlangen und damit zu den preisgünstigsten Anbietern von Wohnraum in Berlin gehören, liegen die Mieten der sechs landeseigenen Gesellschaften bei 6,09 Euro je Quadratmeter (Ende 2018). Das ist ebenfalls noch immer günstig. Dass die durchschnittliche Miete der BBU-Mitgliedsunternehmen dennoch bei 6,15 Euro je Quadratmeter liegt, dürfte an Vermietern wie die Deutsche Wohnen liegen. Die Mieter in den mehr als 110 000 Wohnungen der Deutsche Wohnen in Berlin zahlten 2018 eine Quadratmetermiete von 6,71 Euro.
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