Als "Tante Inge" ist sie jetzt im Fernsehen zu sehen. Doch die Schauspielerei ist längst nicht alles für sie. Dem KURIER verrät sie, was ihr wirklich wichtig ist

Die kleinen Freuden der Gaby Dohm

Detlef Vetten
Lesezeit 4 Min

Gabriele Helena Anna Dohm hat einen langen Tag gehabt. Sie betritt das "Pius" in Keitum, eine der Adressen auf Sylt, wenn einem nach gepflegtem Wein und netter Gesellschaft ist. Frau Dohm steuert aufeinen kleinen Tisch neben dem Eingang zu, setzt sich mit dem Rücken zum Fenster. Sie ist eine elegante Frau, der das Kerzen-Wein-Wohlfühl-Ambiente wunderbar steht.Müde ist sie. Die ganze Woche haben sie am Set überzogen, aber sie haben das Pensum geschafft. Am Wochenende ist drehfrei. Endlich mal ausschlafen, Spaziergänge am Deich, im dicken Feuchtwanger schmökern, nachdenken, Kraft tanken.Gaby Dohm schlüpft auf Sylt einen Monat lang in die Rolle von "Tante Inge". Die verduftet laut Romanvorlage der Erfolgsautorin Dora Heldt aus ihrem bisherigen ereignislosen Leben an der Seite eines pfennigfuchsenden Biedermannes - und findet sich in einem Kuddelmuddel von Liebe und Hieben, Hoffnungen und Enttäuschungen wieder. Happy End und viel Lachen garantiert ("Tante Inge haut ab", ZDF, 27. Februar , 20.15 Uhr).In den vier Wochen vor dem Drehbeginn hat sich Gaby Dohm intensiv mit "Inge" beschäftigt: Wie würde die sich wohl bewegen, was würde sie anziehen, wie würde sie ihre Haare machen, wie redet so eine?"Sie ist ein bisserl doof, ein bisserl simpel angezogen, eigentlich eine, über die man lachen könnte", sagt Gaby Dohm, "Ich muss dafür sorgen, dass sie liebenswert bleibt. Sie ist eben eine einfache Frau, die einen Traum hat. Das muss ich erzählen. Ich muss meine Figur schützen."Seit fast 50 Jahren ist die 67-Jährige Schauspielerin, aber: "Ich bin nicht besessen von der Schauspielerei." Sicher, sie wolle vor der Kamera oder auf der Bühne alles bringen, was sie kann, aber besessen? Es gibt ein Leben nach der letzten Klappe am Abend. Es gibt das Lachen über Dinge, die nicht mit der Schauspielerei zusammenhängen.Es gibt das Herumalbern mit dem Sohn, wenn man sich sieht. Oder die kleinen Freuden - wenn man eine neue wunderbare Eisdiele entdeckt, sich in einem Buch verfängt, von der Musik gekidnappt wird, einen Film wie "Das Konzert" sieht.Da ist Gaby Dohm dann doch wieder in ihrem Metier. "Das Konzert", eine russisch-französische Koproduktion, erzählt von Musik-Besessenen auf einem recht irren und sehr komischen Trip, der in einem furiosen Finale im Pariser Châtelet endet. Als sie den Film in München sah, hat das Lachen im Kino sie einen Tag lang froh gemacht."Was für glückliche Schauspieler müssen das sein", sagt sie. "Die mussten nicht sentimental oder vorsichtig sein. Die konnten echte Gefühle vor der Kamera ausleben. Und jeder spürt: Da spielt jemand mit Herz."So will sie es auch haben. Sie bewundert die großen Volksschauspieler. Und die Kollegen, die mit kleinen Gesten und minimaler Mimik ganze Geschichten erzählen.Der Beruf ist nicht leichter geworden seit den Zeiten, als sie in der "Schwarzwaldklinik" zu einer TV-Ikone wurde - die Zusammenarbeit mit den Regisseuren hat sich verändert. Früher haben die neben der Kamera gestanden und dem Schauspieler zugesehen. "Du hast für jemanden gespielt." Heute dominiert die Technik das Ganze. "Der Regisseur guckt auf einen Monitor und du agierst ins Nirwana. Ist nicht einfach."Warum sie das Schauspielen angefangen hat, weiß sie nicht mehr. Wahrscheinlich nur, um aus dem engen Wiener Elternhaus zu entkommen. Natürlich war es dann interessant, auf den großen Bühnen die großen Rollen zu buckeln. Die "Marie" aus dem Woyzeck war so eine. Das hat gefordert und Mühe gemacht - aber es war's wert.Dann das Fernsehen. Die "Schwarzwaldklinik", Tatort", "Derrick", "Die Wiesingers", "Der Wittiber", "Aus dem Leben der Marionetten". Anspruchsvolles Kammerspiel. Leichte Kost. Oft heiter. Zu selten kompliziert und zerrissen.Für ein Wochenende hat "Inge" Pause. Dann geht sie es wieder an. "Wäre doch gelacht!", sagt sie.Auch wenn es manchmal schwerfällt: Wer lacht, überlebt. Das ist das Motto der Gabriele Helena Anna Dohm.INTERVIEW: DETLEF VETTEN------------------------------KURIER-WIKI"Schwester Christa"Gaby Dohm, geboren am 23. September 1943 in Salzburg, begann ihre Karriere am Düsseldorfer Schauspielhaus. Der Durchbruch gelang ihr am Münchner Residenztheater. Die Rolle der Schwester Chris-ta in der Schwarzwaldklinik" machte sie berühmt. Aus ihrer Ehe mit Adalbert Plica hat sie einen Sohn. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten Peter Deutsch in München.------------------------------BU: Mit Peter Sattmann in "Die Eltern der Braut", einem TV-Zweiteiler aus dem Jahre 2003BU: Mit Klausjürgen Wussow in der TV-Serie "Die Schwarzwaldklinik"

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema