Dienstag, 22. Juni. Atteridge Ville, Südafrika. Der deutsche Journalisten-Tross wartet vor dem Rugby-Stadium, wo Lahm, Schweini & Co. in Kürze ihre Übungen absolvieren wollen. Wie immer, sind alle viel zu früh da, nur um nicht einen Fehlpass von Jogis Jungs zu verpassen. Und während sich die Kollegen angesichts des sie umgebenden Townships quasi ängstlich an die Stadionwand schmiegen und die Öffnung der Tore herbeisehnen, fällt mein Blick auf ein kleines, ca 200 m entferntes Garagengebäude. Garage? Von wegen! Ein Kaufladen. Karge Metallregale, fahles Neonlicht, kein Fenster. Hinter Gittern sitzt der Inhaber. Oben auf seinem Käfig thront ein Mini-Fernseher, gegen den eine Briefmarke sich wie ein Wolkenkratzer ausnimmt. Und doch singt und tanzt um diesen Minischirm eine lebenslustige Gruppe. Bei jedem Treffer, den die Bafana-Bafana an diesem Nachmittag gegen Frankreich erzielt, werden es mehr. Wie Pilze kommen sie aus dem Boden geschossen. Ich mittenmang, als einziger Weißer. Ein Weißer, mit bald roten Schultern von all den freundlichen Klopfern. Weil sie es freute, dass ich mit ihnen jubelte. Über jeden nicht gegebenen Freistoß fluchte. Es langte nicht am Ende. Aber obwohl es das Aus war für Südafrika, war es der Tag, der ihnen den Stolz auf ihre WM zurückbrachte.------------------------------Zitat: "Ein TV kleiner als 'ne Briefmarke"
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