Mit BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta, die ihn wegen ihres Tramfahrer-Mangels sofort nehmen würde, hatte Klitschko aber auch Ernstes zu besprechen: Klagt die BVG schon über durchschnittlich 26 Jahre alte U-Bahn-Opas, sind die Züge in der ukrainischen Hauptstadt um die 40 Jahre alt, die Straßenbahnen sogar ein halbes Jahrhundert.
Mit Zügen kann die BVG nicht dienen, aber mit Wissen: Wie macht man die Kosten des Nahverkehrs transparent, worauf muss man beim Kauf von Bussen und Bahnen achten, wie ermöglicht man Handy-Empfang, wie bekommt man Geschäfte in U-Bahnhöfe ...
Klitschko, der als Bürgermeister auch mit seinen „Öffis“ unterwegs ist, schilderte die Probleme seiner 2,9-Millionen-Stadt: Zu viele Autos, zu wenig Parkplätze – die Lebensqualität in der 1500 Jahre alten Stadt leide. Botschafter Andrij Melnik ergänzte: Ein Teil des Tramnetzes ist außer Betrieb, Busse privater Linienbetreiber sind technisch marode, verstopfen die Stadt.
Zwar hat Kiew neue Straßenbahnen bestellt (Klitschko will alle schwer zu besteigenden Tatras durch Niederflurzüge ersetzen), zwar investiert die Stadt eine halbe Milliarde Euro pro Jahr allein in die U-Bahn, aber es kommt zu wenig Geld rein: Eine U-Bahn-Fahrt kostet umgerechnet nur 17 Cent. Allerdings liegt der Durchschnittlohn in der kriegsgeplagten Ukraine bei nur 130 Euro im Monat.
Da schlug die von Klitschko durchgesetzte Verdoppelung des Fahrpreises schon ins Kontor, könnte ihm bei der Wahl schaden. Ob ihm seine Boxer-Vergangenheit hilft, ist offen. Nikutta: „Er hat mir gesagt, dass die Berühmtheit nur bedingt nutzt. Die Leute glauben, dass ein so starker Mann die Probleme leicht lösen kann.“ Aber trotz 45 Profi-Siegen: Supermann ist er nicht. GL
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