Käthe Raschke kommt noch mal, um ihrem Kaufhof Tschüss zu sagen.
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Die Wartenden vor der Tür werfen nervöse Blicke auf ihre Armbanduhren. In einer Minute wird der Kaufhof aufmachen. Pünktlich um 10 Uhr wie immer – aber danach nie wieder. „90 Prozent auf alles!“, steht an der Tür. Eine letzte Runde Rabattschlacht, einmal noch hamstern, dann ist es für immer vorbei. „Ich bin aber vor allem hier, um Abschied zu nehmen“, sagt Käthe Raschke (78), Kundin der ersten Stunde. So leer hat sie ihr Kaufhaus nie gesehen, ein paar Regale und Tische stehen noch in den unteren Etagen. „Schon traurig“, sagt sie.
So leer sieht man ein Kaufhaus selten.
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Ein Mitarbeiter zückt seine Digitalkamera, macht ein paar Schnappschüsse des Kundenansturms. Menschen drängeln sich an den Wühltischen – ein Bikini kostet noch 99 Cent, eine Strumpfhose 49 Cent, ein Paar Schnürsenkel 29 Cent. „Seit einigen Tagen geben wir schrittweise immer größere Nachlässe“, sagt Filial-Chefin Doreen Mädler-Nemchinov (38). Alles muss raus, nur die Möbel gehen an soziale Einrichtungen. Die Chefin gewährt den KURIER-Reportern einen letzten Blick in die Kantine im vierten Stock. Sie sagt: „Die 70er-Jahre-Lampen sind heute wieder so cool, dass wir sie als Edel-Deko in andere Filialen übernehmen.“
Michael und Jeannette jubeln: Der Kassenbon ist lang, der Preis winzig.
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Unten im Erdgeschoss klingelt derweil die Kasse. Michael (48) und Jeannette Huhn (46) haben 25 Posten auf ihrem Kassenzettel – „aber wir zahlen nur 9,75 Euro!“ Drei Stunden dauert der Ausverkauf, um 13 Uhr ist der Laden leer. Den Kaufhof am Ostbahnhof gibt es nicht mehr. „Es fällt mir nicht leicht, ein letztes Mal abzuschließen“, sagt die Chefin. Aber sie hat auch eine gute Nachricht: „Unsere 89 Mitarbeiter können in andere Filialen wechseln.“
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