Mit neuen Jahren ist es ein bisschen so, wie mit Geburtstagen. Ab einem gewissen Alter merkt man außer dem Kater am nächsten Tag eigentlich keine weiteren Veränderungen. Ich bin morgens grundsätzlich schlecht gelaunt, egal ob Jahresanfang oder Ende. Daher versuche ich, wenn möglich, jeglichen Kontakt zu Menschen vor 10 Uhr vormittags zu vermeiden. Damit bin ich zum Glück nicht alleine. Eigentlich ist chronisch schlechte Laune eine genetische Voraussetzung um Berliner zu werden. Es gibt in dieser Stadt aber auch herrlich viel zu meckern. Der Bus zu spät, das Leben ungerecht, es stinkt, die Heizung im Altbau fällt immer dann aus, wenn es saukalt ist. Aber 2011 soll den Hauptstädtern nun einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen. Es gibt so Vieles, auf dass wir uns freuen könnten: Frauen-Fußball-WM, die wir gewinnen, Bürgermeisterwahl, die auch einer gewinnt und - ja! - sogar der Papst will in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Aber was tun, wenn das Glück wunschlos ist und wenn es nun janüscht mehr zu meckern gibt? Meine schlechte Laune verschwindet meist automatisch nach dem ersten Espresso. Ich bin aber auch keine Gebürtige, sondern eine Zugezogene. Alles bleibt anders, wie Herbie Grönemeyer einst so schön sagte. Oder wie die Chinesen wissen: Wo ein Ying, da auch ein Yang. Auch eine Lappalie möchte beachtet werden, so viel Zeit muss sein. Dann kommt das Glück von alleine. Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass in Berlin nie irgendwas richtig funktioniert. Sonst wäre die Stadt doch auch nicht so außergewöhnlich toll. Denn gerade das Unperfekte macht sie so einzigartig und liebenswert. Da kann man nicht meckern - oder eben doch.Schauspielerin und TV-Moderatorin Ruth Moschner schreibt jeden Freitag im Berliner KURIER
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