Alleinerziehend und arm

Drei Kinder, 1200 Euro zum Leben

Stephanie Siebelt (33) und ihre Kinder müssen an allen Ecken und Enden sparen.

BK
Lesezeit 2 Min
Stephanie Siebelt mit Tochter Lina (9) im Kinderhilfswerk „Die Arche“.

Stephanie Siebelt mit Tochter Lina (9) im Kinderhilfswerk „Die Arche“.

© Markus Wächter

Vor fünf Jahren platzte ihr der Kragen bei einem Vorstellungsgespräch. In den zwölf Monaten zuvor hatte sie Dutzende geführt, nachdem sie einen einjährigen Pflege-Basiskurs absolviert hatte. Tolle Zeugnisse, sagten ihr die Chefs. Aber alleinerziehend? Mit drei Kindern? Ohne Berufserfahrung?

Das Ausfallrisiko sei zu groß, die Kinder würden ja mal krank. Null Chance. „Ich war so wütend, das wieder zu hören“, sagt sie. „Da bin ich laut geworden. Habe geschnauzt: Ich stehe doch hier und bin willig zu arbeiten!“ Sie bekam den Job als Pflegehelferin im Biesdorfer Seniorenheim.

„Für mein Gehalt würden andere nicht aufstehen. Aber ich bin stolz, überhaupt zu arbeiten.“ Zwei ihrer drei Töchter (9, 12, 14) essen am Nachbartisch in der Hellersdorfer „Arche“. „Ich bekomme bei 33 Wochenstunden etwa 1050 Euro netto. Das allein würde niemals reichen.“ Zusätzlich erhält sie 391 Euro Wohngeld, 390 Euro Kindergeld und 340 Euro Kindergeldzuschlag.

Nach Miete und Nebenkosten bleiben der Familie rund 1200 Euro zum Leben. „Wir können keine großen Sprünge machen, aber es reicht gerade. So will ich den Kindern das vorleben: Geht arbeiten!“

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema