Alle Bezirke betroffen

In Berlin fehlen rund 24.000 Schulplätze

Im Schuljahr 2021/22 könnte es in Berlin eng werden.

Annika Leister
Lesezeit 3 Min
Kurz vor knapp: In Mahlsdorf ist erst am Montag eine neue Schule eröffnet worden.

Kurz vor knapp: In Mahlsdorf ist erst am Montag eine neue Schule eröffnet worden.

© dpa

Allein an Grundschulen fehlen über 10.000 Schulplätze, an Integrierten Sekundarschulen über 7.000 und an Gymnasien mehr als 6.000 Schulplätze. Neun von zwölf Bezirken weisen in allen drei Schultypen erhebliche Defizite aus. Bei den Grundschulen sind sie am größten in den Bezirken Pankow mit 2.635 fehlenden Schulplätzen, Lichtenberg (1.800), Mitte (1.756) und Tempelhof-Schöneberg (1.454). Bei den Integrierten Sekundarschulen liegt Treptow-Köpenick mit 1.460 fehlenden Schulplätzen auf Platz 1, gefolgt von Mitte (1.360), Pankow (1.160) und Lichtenberg (1.140). Bei den Gymnasien wiederum Pankow mit 2124 fehlenden Schulplätzen. Es gibt nur drei Bezirke, die leichte Überkapazität ausweisen: Neukölln, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf. 

Bericht "Taskforce Schulbau" kommt acht Monate zu spät

Extreme Defizite, die errechenbar sind aus einem 842 Seiten langen Report zur „Taskforce Schulbau“, den die Senatsverwaltung bereits im Mai öffentlich gemacht hat. Die Prognosen für die benötigten Schulplätze und die erwarteten Kapazitäten werden aus den jüngsten Angaben von Bezirken und Senatsverwaltungen zu Bevölkerungs- und Schülerzahl sowie den geplanten Baugenehmigungen in den Bezirken zusammengefasst. Der Bericht soll eigentlich halbjährlich erscheinen, kam dieses Mal aber erst mit acht Monaten Verspätung. Kritiker bemängeln Intransparenz und den komplizierten Aufbau des Berichts – wohl ein zentraler Grund, warum das ganze Ausmaß erst jetzt öffentlich wird.

Bildungsexperten hatten das Konvulut bereits im Mai durchgearbeitet, die fehlenden Plätze errechnet und bei der Senatsverwaltung höchsten Alarm geschlagen: Die Überbelegung betrage an vielen Schulen schon jetzt 50 bis 110 Prozent. Wie die Verwaltung die 24.000 Schulplätze schaffen wolle?
Zwei Krisensitzungen soll es seither gegeben haben. Im Mai und Juni versammelten sich die bildungs- und haushaltspolitischen Experten aus den drei Fraktionen und den an der Schulbauoffensive beteiligten Senatsverwaltungen Bildung, Bauen sowie Finanzen an einem Tisch.

Pankow und Lichtenberg am härtesten betroffen

Den Experten seien die horrenden Defizite von der Senatsverwaltung bestätigt worden, hieß es, Antworten auf Fragen nach konkreten Maßnahmen, um die Zahl der Schulplätze zu erhöhen, blieben aber bisher aus. Zwei der am härtesten betroffenen Bezirke sind Pankow und Lichtenberg – ihnen fehlen bei allen drei Schultypen laut Bericht der Schulverwaltung jeweils zwischen 1.000 und 3.000 Plätze.

Das große Defizit hat viele Gründe, sagt Wilfried Nünthel (CDU), Schulstadtrat in Lichtenberg. „Man hat sich zu lange gefreut, dass Berlin wächst – und nicht bedacht, welche Folgen das eigentlich hat.“ Und Torsten Kühne (CDU), Schulstadtrat in Pankow sagt: „Wir hatten lange einen enormen Spardruck, da wurde gespart bis es quietscht.“ In Pankow und Lichtenberg seien alle Kapazitäten ausgeschöpft. Viele neue Schulen sind zwar geplant und auch schon weit in der Planung. In Pankow sollen bis 2022 vier neue Schulen entstehen, bis 2030 sogar 24. In Lichtenberg sind mindestens elf geplant. Doch ein Schulbau dauert mit Planung im Schnitt in Berlin fünf Jahre. 

Ehemalige Flüchtlingsunterkünfte sollen zu Schulen umgebaut werden

Dringend müsste die Bauzeit für Schulen und die komplizierten Bewilligungswege, an denen ein Dutzenden Ämter beteiligt sind, vereinfacht werden. „Alle sind redlich bemüht. Es gibt einiges zu optimieren, damit wir alle schneller werden“, sagt Kühne. „Denn Zeit haben wir nicht, die Kinder kommen jetzt.“

Der Senat plant eine noch höhere Belegung der Schulen, Containerbauten, sowie der Umbau von ehemaligen Flüchtlingsunterkünften zu Schulen.  

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