Sie wollen trotz Sanierung auf keinen Fall raus aus ihren Wohnungen. Während ihre Nachbarn längst aufgaben. Dem Eigentümer passt das offenbar nicht.
Er will sanieren und verkaufen. Jetzt brachen Arbeiter durch die Decke in ein Bad, zwei Schornsteine wurden abgebaut.
„Wir waren in Lebensgefahr, hätten laut Bauamt an einer CO2-Vergiftung sterben können“, sagt Mieter Sven Fischer (45). Die Bauaufsicht vom Bezirksamt hat den kaputten Schornstein im Vorderhaus zufällig am Freitag entdeckt. Der Kamin war verstopft. Höhepunkt des Sanierungs-Horrors.
Das Haus in der Kopenhagener Straße wird seit geraumer Zeit saniert.
© Thomas Lebie Lizenz
Sven Fischer war nicht daheim, als die Arbeiter durch die Decke in sein Bad im 4. Stock brachen.
© Thomas Lebie Lizenz
Der verstopfte abgerissene Schornstein. Sven Fischer: „Wir waren in Lebensgefahr. So etwas darf doch nicht passieren.“
© privat Lizenz
Caterer Sven Fischer blättert in seinem dicken Aktenordner.
© Thomas Lebie Lizenz
Der Boiler aus seiner Dachwohnung. Er wurde einfach abmontiert.
© Thomas Lebie Lizenz
Fischers Frau lebt mit den beiden Töchtern und zwei Freunden seit 15 Jahren in der Altbau-Wohnung im Viertel am Falkplatz. Er selbst in einer gemütlichen Ein-Zimmer-Buchte im Seitenflügel 4. Stock.
Dort hatten Bauarbeiter erst am Tag zuvor das gesamte Bad verwüstet. In der Decke klafft ein Loch. Es ist gut ein Quadratmeter groß. „Die sind dadurch eingebrochen, zusätzlich wurde der Warmwasser-Boiler entfernt“, sagt Fischer.
Der Raum ist voll mit Schuttbrocken, die Wohnung damit unbewohnbar. Immerhin bekam Sven Fischer vom Anwalt der Baufirma eine Entschuldigung.
„Im Zuge der Ausbauarbeiten im Dachgeschoss kam es zu einer Beschädigung im Badezimmer Ihres Mandanten, was unsere Mandantin sehr bedauert.“ Passiert ist bisher nichts. Jetzt besteht Baustopp, mit der Auflage den Schaden zu reparieren.
Es wird immer ungemütlicher seit das Haus 2013 verkauft wurde. Damals flatterte der WG und den Nachbarn die Ankündigung einer fetten Mieterhöhung ins Haus.
„Nach Sanierung soll unsere 150 Quadratmeter-Wohnung statt 645 Euro Kaltmiete 2927 Euro kosten.“ Begründung war eine „energetische Sanierung“, die vom Bezirk genehmigt wurde.
Die Mieter zogen aus, bis auf einen, der seine Wohnung kaufte. Fischers Schriftverkehr füllt drei Ordner. Morgen kommt eine Strafanzeige wegen des abgerissenen Schornsteins hinzu.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com