Experten warnen

Alarmstufe Knallrot

Das Unfallkrankenhaus Berlin meldet immer mehr Fälle von extremen Sonnenbränden.

Robert Schlösser Gerhard Lehrke
Lesezeit 4 Min
Das Top, vor dem Bikini getragen, hat nicht genug geschützt: Diese Frau hat sich einen üblen Sonnenbrand zugezogen.

Das Top, vor dem Bikini getragen, hat nicht genug geschützt: Diese Frau hat sich einen üblen Sonnenbrand zugezogen.

© Getty Images/Ingram Publishing

Knallrote Haut, Schmerzen und Fieber: Die Krankenhäuser der Hauptstadt bekommen es zunehmend mit Berlinern zu tun, die es mit dem Sonnenbad übertrieben haben.

So berichtet das Unfallkrankenhaus Berlin (Marzahn), dass seine Ärzte viele schwere Fälle behandeln müssen. „Dabei handelt es sich nicht um einfache Rötungen, sondern um Verbrennungen zweiten Grades mit Bläschenbildung“, erklärte Klinik-Sprecherin Angela Kijewski dem KURIER. „Viele kommen vor allem nachts, weil sie die Schmerzen nicht mehr aushalten.“

Betroffen seien alle Altersgruppen gleichermaßen, doch Männer kämen besonders häufig. Viele von ihnen geben an, stundenlang mit nacktem Oberkörper im Freien gearbeitet zu haben. Andere wiederum hätten den Tag am See verbracht und achtlos in der prallen Sonne gelegen. Am späten Abend suchen aber auch oft Menschen das Unfallkrankenhaus auf, deren Sonnenbrand sich auf den Unterarm beschränkt.

UV-A-Strahlen sind zwar schwächer als UV-B-Strahlen, dringen aber bis in die Unterhaut ein. Sie können Sonnenbrand auslösen und Krebs verursachen.

UV-A-Strahlen sind zwar schwächer als UV-B-Strahlen, dringen aber bis in die Unterhaut ein. Sie können Sonnenbrand auslösen und Krebs verursachen.

© BK

„In diesen Fällen haben die Patienten beim Autofahren einen Arm aus dem Fenster gehalten“, sagt Kijewski. In einigen Fällen hätten die Betroffenen auch Fieber durch die Überhitzung.

Die Sonne schlägt auch an unerwarteten Stellen zu: „Manchmal kommen Patienten, deren Fußsohlen verbrannt sind“, so die Pressesprecherin. Ein Mann hätte deswegen nicht mehr laufen können.

Diabetiker besonders anfällig

Diabetiker seien besonders anfällig gegen Sonnenbrand. Sie haben aufgrund ihrer Krankheit eine schlechtere Durchblutung und ein vermindertes Schmerzempfinden. Dadurch bemerken sie beispielsweise einen Sonnenbrand erst deutlich später. 

Jedoch müssten nur in den seltensten Fällen Patienten aufgrund von Sonnenbränden über Nacht im Krankenhaus bleiben. Vor Ort bekämen sie Schmerzmittel und eine Infusion zur Linderung der Symptome. „Spätestens wenn sich auf der Haut Bläschen bilden, sollte man einen Arzt aufsuchen“, warnt Kijewski.

Prof. Dr. Alexander Nast, Dermatologe an der Charité: „Ein Sonnenbrand ist eine akute Schädigung der Zellen der Haut durch übermäßiges UV- Licht. Bei Patienten, die Medikamente einnehmen, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen, können die Reaktionen besonders stark ausfallen.“


Die Haut ist ein Sonnenopfer

Die Sonne brennt und die Wälder auch. Asphalt wird weich, die Bäume dürsten, die Städter schlafen schlecht. Wegen der Hitze, vielfach aber, weil sie sich in den überfüllten Sommer- und Freibädern einen Sonnenbrand geholt haben und das Liegen keine Freude ist. Doch der Sonnenbrand ist nicht nur lästig, er kann auch schlimme Folgen haben: Hautkrebs.


Die Berliner Hautärztin Dr. Anya Miller beschreibt die heimtückischen Folgen eines Sonnenbrands: „Der Hammer kommt Jahre später. Wer sich mit 20 die Haut verbrennt, kann mit 40 einen Hautkrebs bekommen.“ Besonders gefährlich sei der Sonnenbrand bei Kindern – bei ihnen gebe es die klarsten Hinweise, dass er später zu Krebs führt.

Wer sich mit 20 die Haut verbrennt, kann mit 40 Hautkrebs bekommen

Es gebe rund 200 Hautkrebs-Arten, erklärt Dr. Miller. Sie können tödlich enden, weil sie sich über Blut- und Lymphgefäße im Körper verbreiten. Die drei häufigsten Arten sind schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom), weißer Hautkrebs (Basaliom) und Plattenepithel-Karzinom.

Nach den letzten Zahlen des Gemeinsamen Krebsregisters der ostdeutschen Länder erkrankten 2014 in Berlin 431 Menschen am schwarzen Hautkrebs, 2980 an anderen Hautkrebs-Arten. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Die wichtigsten Tipps der Ärztin: Die knallige Sonne speziell über Mittag meiden und ausreichend eincremen. „Wenn man von einer Creme mit Lichtschutzfaktor 50 zu wenig verwendet, ist man ganz schnell nur beim Faktor 30 oder 20. Auf Reisen sollte man im Ulraubsbudget den Kauf von Sonnenschutzcremes berücksichtigen, um genügend zu haben.“

Wenn man sich verbrannt hat, solle man die Haut mit kaltem Wasser oder kaltem schwarzen Tee kühlen, in der Apotheke eine frei verkäufliche Hydrocortison-Creme kaufen und – wenn man es verträgt – Aspirin einnehmen. Dr. Miller: „Ein Sonnenbrand ist eine massive Entzündung, Aspirin blockiert diese Reaktion. “ Bei schweren Hautschäden muss man natürlich zum Arzt.

Bei leichteren Fällen kann der Arzt frühestens nach sechs Wochen Schädigungen erkennen. Wenn sich zum Beispiel auf den Schultern sogenannte „Sunburn freckles“ bilden (kleine, hellbraune Flecken ähnlich Sommersprossen), deutet das auf eine Schädigung der Haut hin. Prinzipiell solle man aber immer einmal im Jahr zur Krebsvorbeugung den Hautarzt aufsuchen. Sorge macht Miller die große Zahl von Tätowierungen: Auf einem Tattoo könne man zum Beispiel den schwarzen Hautkrebs schlechter erkennen.

Die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken, lauert auch im Winter. Dr. Anya Miller: „Zehn Besuche im Solarium steigern das Risiko.“

Der Senat will in den kommenden Tagen Obdachlose mit Wasser und Sonnencreme versorgen. Die Sozialverwaltung von Elke Breitenbach (Linke) teilte mit, sie werde dazu den Protokollbus der Landesregierung einsetzen. Obdachlose bräuchten derzeit „unsere erhöhte Aufmerksamkeit, das Angebot von Hilfe oder einfach nur eine Flasche Wasser.“

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