Die Väter der DDR-Nationalhymne ließen im Urlaub schon mal die Hüllen fallen. Sie haben mit der Liebsten in die Sonne gelegen und sind in der Ostsee geschwommen.
Johannes R. Becher hielt sich im Sommer 1950 in Ahrenshoop auf dem Darß auf. Er habe Wind und Wellen genossen, sei wandern gewesen, schreibt er in seinem Tagebuch. R. Becher habe die Wanderungen angeblich sogar nackt im Wald unternommen. Eine Liebschaft habe er gehabt. Ein Jahr zuvor (1949) schuf er den Text für die Hymne „Auferstanden aus Ruinen.“
Hanns Eisler (1898-1962), der Komponist der DDR-Hymne, lässt sich von seiner Louise mit Sand berieseln. Das Foto entstand 1950. Laut dem Magazin „Zeitschrift für Ideengeschichte“ machte er während der Urlaube eine Diät.
© Akademie der Künste Berlin
Den Komponisten der Hymne, Hanns Eisler, gibt es in Badehose und mit Sonnenhut auf Fotos. Die entstanden 1950, auch in Ahrenshoop am Strand. Auf einem Bild streut ihm Ehefrau Louise Sand auf die Schulter. Der Komponist schaut, von der Sonne geblendet, in die Kamera. Eisler kam im Folgejahr wieder in den Ort, weil es ihm so gut gefiel. Er blieb bis September und schrieb in dieser Zeit sogar eine Oper („Puppenspiel vom Doktor Faustus“).
Ja, auch die intellektuelle Elite der DDR musste mal ausspannen und relaxen. Schließlich war der Aufbau der Sozialismus eine anspruchsvolle Aufgabe. In den Anfangsjahren des Arbeiter- und Bauernstaates, also nach dem Zweiten Weltkrieg, hatte der sogenannte Kulturbund den Ort Ahrenshoop auf dem Darß zum „Bad der Intelligenz“ gemacht.
Johannes R. Becher (1891-1958) setzte sich dafür ein, dass Ahrenshoop „Bad der Intelligenz“ wurde. Er mochte den Strand. Angeblich hatte er im Badeort eine Liebschaft.
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Treibende Kraft dafür war Johannes R. Becher, unterstützt wurde das Vorhaben von der Sowjetunion. Die Promis sollten unter sich bleiben.
Und so zog es neben den schon genannten Größen der frühen DDR auch Schauspieler Ernst Busch oder Bertolt Brecht an jenen Ostseestrand in Vorpommern. Vom Dichterfürsten Brecht wird gesagt, dass er sich lieber angezogen am Strand aufhielt und aufs Meer blickte. Zu sehen sind die privaten Fotos in der aktuellen „Zeitschrift für Ideengeschichte.“ Das Heft erscheint viermal im Jahr im Buchhandel und geht laut Aussage von Chefredakteur Stephan Schlak gerade weg „wie warme Semmeln“.
Der Schauspieler Ernst Busch(links, 1900-1980) verbrachte mehrere Urlaube am Strand von Ahrenshoop. Neben ihm im Strandkorb sitzt der Dramaturg Herbert Ihrig.
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Die Vorgeschichte: Die Zeitschrift hat mehrere Herausgeber und Autoren. Einer von ihnen, Ulrich von Bülow , arbeitetet im Deutschen Literaturarchiv in Marbach in Baden-Württemberg. Er stammt ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern und brachte die Redaktion auf die Idee, über die Geschichte Ahrenshoops zu berichten. Dann recherchierten sie nach den alten Schwarz-Weiß-Fotos. „Ich wusste vorher nicht, dass diese Künstlerkolonie so groß war.
Das ist wirklich das ’Who is who’ der jungen DDR. Normalerweise kennt man die Denker in angestrengter Pose. Hier sind sie als völlig normale Urlauber zu sehen. Die Bilder, die wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, sind ein echter Schatz“, sagte Chefredakteur Stephan Schlak im Gespräch mit dem KURIER.
Zu DDR-Zeiten und auch danach war die Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) Kult. Das Bild zeigt sie als 28-Jährige am Strand.
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Die Bilder sind auch deswegen so wertvoll, weil die Größen von damals längst verstorben sind. Wie die Schriftstellerin Christa Wolf („Der geteilte Himmel“). Auch sie ließ es sich am selben Strand gutgehen. Auf dem Foto von 1957 ist die Brandung der Wellen zu sehen. Wolf blickt glücklich den Strand entlang. Damals ist sie gerade mal 28 Jahre jung. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sie nach Ahrenshoop reist. Der Dramatiker Heiner Müller guckt auf einem Bild aufs Meer. Der Sturm presst sein Hemd an den Oberkörper. Er raucht.
Die Schauspielerin Inge Keller, die in Berlin ihr Leben verbrachte, sieht man auf einem Foto ganz nackt. „Die diensthabende Gräfin der DDR“, wie sie genannt wurde, war schon 1949 in Ahrenshoop. Zusammen mit dem TV-Agitator Karl-Eduard von Schnitzler.
Der DDR-Bürger verspottete den Ort als „Bonzen-Aquarium“. Doch diese Fotos zeigen: Die Elite bestand eben auch nur aus völlig normalen Menschen.
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