Das große Magazin des KURIER erzählt zum Beispiel von Wolfgang Schröder. Er ist Fischer in der vierten Generation – und der letzte in seiner Familie. Warum diesen Beruf heute keiner mehr machen will, er aber nie etwas anderes sein wollte, hat er unserer Reporterin beim Zugnetzfischen im Havelland erzählt. Eine Leseprobe.
Kein Lüftchen geht an diesem frühen Morgen am Gülper See. Wolfgang Schröder ist mit drei Fischern ans Nordufer gefahren. Dort, bei den Seerosen, hofft er heute auf einen guten Fang. Mit etwas Glück könnten ihm Schleien ins Netz gehen, Plötzen, Barsche, vielleicht ein paar Hechte.
Doch erstmal muss er telefonieren. In Watthose und Gummijacke, bis zu den Oberschenkeln im Wasser stehend, lehnt er an seinem Kahn und hat das Handy am Ohr. Eigentlich mag er das nicht – „wenn ich beim Fischen bin, bin ich beim Fischen“ –, aber auch am Gülper See ist die Zeit nicht stehen geblieben. „Ich muss erreichbar sein“, brummt der 50-Jährige und schaut einem Schwarm Möwen hinterher. „Auch auf dem Wasser.“
Wolfgang Schröder ist Fischer in der vierten Generation. 1904 gründete sein Urgroßvater Julius Senior den Fischereibetrieb in Strohdehne im Havelland, der heute sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist. „Ich wollte nie etwas anderes werden als Fischer“, sagt der 1,97 Meter große Brandenburger, der schon mit fünf Jahren bei seinem Vater im Boot saß und die Muscheln zählte, die er im blitzklaren Wasser schimmern sah. Mit 16 machte er eine Ausbildung zum Binnenfischer – „heute heißt das Fischereiwirt“ – und denkt mit etwas Wehmut daran, dass er der letzte Fischer seiner Familie sein wird. „Dazu wird man geboren“, sagt er, „aber mein Sohn und meine Tochter interessieren sich überhaupt nicht dafür.“
Vor allem das Zugnetzfischen, das Wolfgang Schröder noch als einer von wenigen praktiziert – eine schonende Fangtechnik, bei der sich die Fische nicht verletzen –, ist körperlich harte Arbeit. Ein mehrere hundert Meter langes Netz, dessen eine Seite (Oberseil, mit Kork besetzt) auf dem Wasser schwimmt, während die andere (Unterseil, mit Blei verstärkt) auf den Grund sinkt, wird in einem großen Bogen in Ufernähe ausgelegt und danach von Hand wieder eingeholt. Die so entstandene „Schlinge“ schrumpft dabei zusammen, der eingefangene Fisch sammelt sich in einem mittig in das Netz eingehängten Sack. „Schön breit hinlegen, sonst ist der Haufen nachher zu hoch und kippt um“, ruft Fischer Reinhard Persicke, 70, der Reporterin zu, die mit ihm im Kahn steht. Jeder von uns holt eine Seite vom Netz ein, dabei nimmt das Reinziehen ins Boot überhaupt kein Ende. Und geht ganz schön in die Arme. „Wenn wir viel gefangen haben, schleppe ich hinterher einige Zentner Fisch über den Deich in die Aufbewahrungsbecken“, sagt Georg Friedrich, 61, der vom Wasser aus mit zupackt.
Erlebnisfischen auf dem Gülper See
Lust auf frischen Fisch bekommen? Aufs Fischen? Bei Wolfgang Schröder kann man einkaufen oder eine Tour buchen. Bis zu 15 Gäste nimmt er mit zum Erlebnisfischen. Wer will, darf an den Zugnetzen mit anpacken. Die Tour dauert vier bis sechs Stunden, hinterher wird der Fang zubereitet und in einem Drei-Gänge-Menü serviert. Erwachsene zahlen 65 Euro, Kinder (bis 14 Jahre) 30 Euro.
Wie üppig ein Fang ausfällt, bleibt beim Zugnetzfischen allerdings bis auf die letzten Meter eine Überraschung. Zwar ist der Sack, den wir jetzt langsam zu uns heranziehen, so robust, dass er bis zu vier Tonnen Fisch aufnehmen kann – aber die heutige Ausbeute fällt mager aus: Ein paar Brassen zappeln im Netz, eine Rotfeder, ein Rapfen, mehrere Hechte. So können wir noch nicht Feierabend machen – die Fischer wollen schließlich bezahlt werden...
Ob es Wolfgang Schröder gelingt, mit einem vollen Netz in den heimischen Hafen zurückzukehren, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Aufs Land!“. Das neue Heft feiert den Sommer in vollen Zügen – und zwar direkt vor der Haustür. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Wo genau, das erfahren Sie in unserer großen „Liebling-Brandenburg“-Reportage. Darin stellen wir die schönsten Orte zum Seele baumeln lassen vor. Für Familien, verliebte Pärchen oder sportverrückte Wasserratten.
Aufs Land
In der neuen „Aufs Land!“ findet sich nicht nur die Reportage über Fischer Schröder, sondern noch viele weitere ländliche Geschichten rund um Berlin und Brandenburg. Die Sommerausgabe ist ab jetzt für 3,40 Euro an allen gut sortierten Kiosken in Berlin und Brandenburg oder im Lesershop des Berliner KURIER erhältlich.
Außerdem im neuen Heft: Silvia Teich hat den ehemaligen Hausbesetzer Freke Over in Rheinsberg besucht. Hier hat der Ex-Bürgerschreck aus einem DDR-Ferienheim das Ferienland Luhme erschaffen. Eine wilde Mischung aus Kinderparadies, Ostalgie und Wagenburg-Romantik. Aber wir erzählen auch vom „SauenHain Potsdam“, wo nur glückliche Schweine im Matsch wühlen und grunzen. Außerdem in der Sommerausgabe: auf Hauptstadtsafari durchs wilde Berlin mit Extrem-Botaniker Michael Ristow, köstliche Rezepte, so bunt wie die Jahreszeit – und für Fans von Zimmerpflanzen gibt es einen DIY-Blumenständer für Farn, Fensterblatt & Co.
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