Ahoi, Berliner Schloss!

Als erstes Ausstellungsstück ist ein Südseeboot aus Dahlem im Humboldt-Forum...

Torsten Harmsen
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Einige Dutzend Leute, ausgestattet mit Bauhelmen und gelben Warnwesten, standen am Dienstagmorgen auf der Schlossbaustelle in Berlin-Mitte und warteten darauf, dass eine riesige Kiste nach oben schwebte. Bauarbeiter hatten für die Kiste in der künftigen Eingangshalle des Humboldt-Forums extra ein großes Gerüst mit Hebeanlage errichtet. Vorher war der Natursteinboden in der Halle fertiggestellt worden, damit das Gerüst sicher steht.

„Hebt an!“ Mit diesem Kommando leitete die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das Hebemanöver ein. Einige Momente später ruckte es an der großen Kiste, und sie wurde langsam in die Höhe gehoben. Unter denen, die gespannt ihren Weg mit den Augen verfolgten, befanden sich nahezu alle, die beim Projekt Humboldt-Forum Rang und Namen haben – vom Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, über die Gründungsintendanten Neil MacGregor und Horst Bredekamp, bis zum künftigen Schlossherrn, dem Generalintendanten Hartmut Dorgerloh, der im Juni sein Amt antreten wird.

„Wir sind da. Wir sind angekommen“, sagte Parzinger. Denn in der 16 Meter langen und 2,50 Meter hohen Kiste befand sich das allererste große Ausstellungsobjekt des künftigen Humboldt-Forums. Es handelt sich um das sogenannte Luf-Boot, ein fast 130 Jahre altes Südseeboot von der Insel Luf, das später mit anderen Booten und Häusern im Rahmen der Ozeanien-Ausstellung gezeigt werden soll. Nach einer etwa 20-minütigen Hebe-Prozedur wurde es langsam durch eine extra freigelassene Wandöffnung in den künftigen Ausstellungssaal im 1. Obergeschoss geschoben.

Das etwa 130 Jahre alte Boot stammt von der Insel Luf, die heute zu Papua-Neuguinea gehört. Die Kiste, in der man es transportiert hat, ist 16 Meter lang und 2,50 Meter hoch.

Das etwa 130 Jahre alte Boot stammt von der Insel Luf, die heute zu Papua-Neuguinea gehört. Die Kiste, in der man es transportiert hat, ist 16 Meter lang und 2,50 Meter hoch.

© Gerd Engelsmann

Bisher hatte sich das Boot im Ethnologischen Museum in Dahlem befunden. Gemeinsam mit Tausenden anderer Ausstellungsstücke, die ihm jetzt ins Humboldt-Forum folgen sollen. In Dahlem sind Spezialisten in weißen Schutzanzügen seit Monaten damit beschäftigt, die Objekte zu reinigen, zu restaurieren und für den Umzug nach Mitte zu verpacken. Mehrere Restaurierungsstraßen seien entstanden, sagte Hermann Parzinger. In einer sogenannten Entwesungsanlage wurden Objekte wochenlang in Stickstoff eingehüllt, damit keine Bakterien, Insekten und Pilze mit ins neue Quartier im Humboldt-Forum geraten. Im Dahlemer Museum musste auch eine Wand durchbrochen werden, um die riesigen Kisten ins Freie bringen zu können.

In der Nacht zum Dienstag fuhr ein Spezialtransporter die 16 Meter lange Kiste des Luf-Bootes von Dahlem nach Mitte zum Schloss. Mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 35 Kilometern pro Stunde. Die Fahrt im Konvoi mit sieben Fahrzeugen verlief ohne Probleme, wie es in einem RBB-Bericht heißt. Bedenken habe man nur angesichts einer engen Kurve in Dahlem gehabt, die sich dann doch nicht als Problem entpuppte.

Das Luf-Boot, das kurz vor Mitternacht am Humboldt-Forum ankam, hat bereits eine lange Geschichte hinter sich. Gebaut wurde es 1890 auf der Insel Luf, einer der westlichen Inseln, die heute zu Papua-Neuguinea gehören. Es war hochseetüchtig und konnte eine Besatzung von bis zu 50 Mann aufnehmen, wie Stiftungschef Hermann Parzinger erzählte. Mit solchen Booten fuhren die Männer von Luf im 19. Jahrhunderten auf See, trieben Handel, führten Krieg.

© Paulus Ponizak

Doch das Berliner Exemplar wurde aufgrund des Bevölkerungsrückgangs auf der Insel Luf nie zu Wasser gelassen. Es blieb im Bootshaus, bis es 1903 eine deutsche Handelsfirma erwarb. 1904 gelangte es ins Museum für Völkerkunde in Berlin.

Mit dem Einzug der Großobjekte gehe die Bauphase im Humboldt-Forum zu Ende, sagte Monika Grütters. „Der Kulturbetrieb steht – im wahrsten Sinne des Wortes – vor der Tür.“ Von einer „Punktlandung“ sprach Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt-Forum. Denn man habe genau den Rahmenterminplan eingehalten. Dieser sah vor, dass die Ausstellungsobjekte von Mai bis August dieses Jahres ins Humboldt-Forum einziehen sollen.

Einen Umzug solchen Ausmaßes habe es in der Geschichte der Staatlichen Museen noch nie gegeben, sagte Monika Grütters. Weitere große Ausstellungobjekte werden jetzt folgen. Darunter sind, wie Sammlungsleiter Lars-Christian Koch ausführte, nicht nur Boote aus verschiedenen Zeitetappen, sondern auch „Häuser aus Ozeanien, etwa das große Palau-Haus“.

Dieses mit Palmblättern bedeckte Haus, das aus über 245 Einzelteilen besteht, wurde ebenfalls gereinigt, restauriert und verpackt.

Die Objekte würden in ihren Kisten verbleiben, bis die Wände hinter ihnen verschlossen, das notwendige Klima und die musealen Bedingungen hergestellt seien, sagte Hermann Parzinger. Dies werde erst im Laufe des kommenden Jahres sein.

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