Ärger um Auszeichnung

Wie viel Stasi steckt in dieser Medaille?

Köpenick verleiht Bürger-Orden an ehemaligen MfS-Mann.

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 2 Min
Die Bürgermedeaille von Treptow-Köpenick.

Die Bürgermedeaille von Treptow-Köpenick.

© Bezirksamt Treptow-Köpenick

Die Bürgermedaille hat einen Durchmesser von nur zwei Zentimetern. Dennoch ist das kleine goldene Stück begehrt. Seit 2004 wird es vom Bezirk verliehen. Zu den Preisträgern gehörte z.B. Schauspieler Jürgen Hilbrecht, der als Hauptmann von Köpenick die Menschen begeistert.

Nun soll laut Bezirksamt Erxleben die Medaille bekommen, der für die Linken von 2006 bis 2016 in der BVV saß. Der Beschluss sorgt für großen Ärger. „Die Medaille an einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter zu verleihen ist ein Skandal“, sagt Florian Graf, Chef der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Abgeordneter Maik Penn (CDU) erklärte, dass die Auszeichnung  „ein Akt der Respektlosigkeit gegenüber den Opfern der SED-Diktatur“ sei. Erxleben war hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter. „Ich habe nie verschwiegen, dass ich 1971 kurzzeitig beim MfS war“, erklärt er jetzt über Facebook.

Dr. Hans Erxleben (70, Linke) soll heute die Bürgermedaille bekommen, obwohl er einst für die Stasi arbeitete.

Dr. Hans Erxleben (70, Linke) soll heute die Bürgermedaille bekommen, obwohl er einst für die Stasi arbeitete.

© Thomas Lebie

Wegen „kaderpolitischer Nichteignung“ sei er 1972 entlassen worden. „Ich galt als Sicherheitsrisiko. Damit will ich nichts am MfS-Unrecht rechtfertigen, aber ich habe niemanden außer mir selbst geschadet.“ 2010 machte der Linke-Politiker seine Vergangenheit  in der BVV öffentlich, als die Ergebnisse einer  Überprüfung der Abgeordneten auf MfS-Tätigkeiten vorlagen.

CDU, FDP und AfD kritisierten nun in der BVV, dass Erxleben dennoch die Medaille auf Vorschlag der Linkspartei bekommen soll. Eine  Jury aus Bürgern und Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) nahm den  Vorschlag an.

„Erxleben wird nicht für seine Stasi-Tätigkeit geehrt, sondern wegen seines ehrenamtlichen  Kampf gegen Rechtsradikalismus“, sagte Bürgermeister Oliver Igel dem KURIER. Erxleben gehört zu den Gründern des Bündnisses für Demokratie und Toleranz. Daher gab es mehrere Anschläge gegen ihn. 2015 wurde sein Auto angezündet, dieses  Jahr lockerten Unbekannte die Schrauben am Rad seines Pkw.

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