ADFC zur Fahrradstadt Berlin

Guter Rad ist teuer

ADFC fordert 30 Millionen Euro und 200 Stellen bei Stadt und Polizei.

Lisa Steiner
Lesezeit 3 Min
Holprig ist der Weg Berlins zur fahrradfreundlichen Stadt: Zur Verbesserung fehlt Personal und Geld.

Holprig ist der Weg Berlins zur fahrradfreundlichen Stadt: Zur Verbesserung fehlt Personal und Geld.

© Volkmar Otto Lizenz

Derzeit ist Radfahren in Berlin im besten Fall nervig, im schlechtesten lebensgefährlich. Und das, obwohl fast ein Fünftel aller Wege in der Hauptstadt schon beradelt werden. Die Gründe: Schlechte oder fehlende Infrastruktur, unübersichtliche Kreuzungen und mangelnde Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer. Ja, klar, das ist alles so nichts Neues, mag sich mancher Leser denken. Genau das dachte sich auch der ADFC, denn auch die politisch Verantwortlichen wissen seit Jahren Bescheid und tun aus Sicht des Rad-Clubs fast nichts. „Die Situation ist frustrierend. Radverkehr muss endlich Chefsache werden“, so ADFC-Berlin-Vorsitzende Eva-Maria Scheel.

Der Hauptgrund für die Misere, wie so oft: Berlins Verwaltung hat zu wenig Personal. So bleibt Geld, das für Radverkehr vorgesehen ist, teils liegen, weil niemand da ist, um die Anträge z.B. für das Aufmalen eines Radstreifens zu bewilligen.

2015 weist der Stadt-Etat laut ADFC sechs Millionen für Investitionen in Radverkehr aus. Das klingt erst mal nach viel, liegt aber weit unter dem, was der Bund im Nationalen Radverkehrsplan vorsieht: Demnach sollen alle Kommunen pro Jahr und Einwohner 10 Euro investieren, um fahrradfreundlicher zu werden. Gemünzt auf die 3,5 Millionen Einwohner sind die 30 Millionen des ADFC also noch relativ niedrig angesetzt.

Der Löwenanteil würde laut ADFC-Masterplan übrigens in neues Personal fließen. Mit rund zehn Millionen Euro pro Jahr sollen insgesamt 202 neue Vollzeitstellen geschaffen werden.

Dass das nicht von heute auf morgen geht, weiß man auch beim ADFC. Aber zumindest zehn neue Posten will man bis 2017 besetzt sehen und zwar direkt in der Verkehrs-Senatsverwaltung. So soll ein eigenes Referat für Radverkehr entstehen, samt Radverkehrsbeauftragtem. Weitere 132 Stellen müssten laut ADFC in den Bezirken geschaffen werden. Pro Bezirk sollte es einen technischen Ingenieur geben, der auf Radverkehr spezialisiert ist. Die restlichen 120 Posten wünscht sich der ADFC für die Ordnungsämter, also zehn neue Ordnungskräfte pro Bezirk. Diese könnten sich um Zweite-Spur-Parker und Rambo-Radler gleichermaßen kümmern. Weitere 60 Stellen will der ADFC bei der Polizei – für die Fortsetzung des Pilotprojekts Fahrradstaffel (derzeit 20 Beamte, befristet).

30 Millionen und 200 Stellen – Wunschträume der Radlerlobbby? Der ADFC jedenfalls bleibt optimistisch. Denn 2016 ist Wahlkampf – und die Opposition, allen voran Grüne und Piraten, liebäugelt schon mit dem Konzept des Rad-Clubs.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema