„Arier erwache, wie viel lässt du dir noch gefallen?“ Zuhörern fiel noch vor wenigen Jahren die Kinnlade runter, wenn die niedlich-adretten Zwillingsschwestern auf der Bühne mit haarsträubenden Neonazi-Texten und Titeln wie „Fürs Vaterland“ schockten. Mit 13 machten sich die strohblond-blauäugige Lynx und Zwillingsschwester Lamb Gaede aus Kalifornien als Nazi-Folkduo „Prussian Blue“ (dt. Preußisch Blau) weltweit Feinde, galten als die „neuen Gesichter des Hasses“.
Aber jetzt ist Schluss mit Rassisten-Rock, Hitler-Smiley auf dem T-Shirt und fesch-völkischem Trachten-Outfit. Als bei Lynx ein Krebsgeschwür in der Schulter entfernt worden war, bekam sie Marihuana als Schmerzmittel. Ihre Schwester Lamb rauchte kurz später mit – zur Linderung ihrer chronischen Rückenschmerzen. Und statt das Gehirn weiter zu vernebeln, hat das Kiffen die Nazi-Zwillinge zur Vernunft gebracht. „Meine Schwester und ich sind jetzt ziemlich liberal. Ich bin keine weiße Nationalistin mehr“, verkündet Lamb Gaede im Magazin „The Daily“. „Marihuana hat mir das Leben gerettet“, pflichtet ihr Schwester Lynx bei.
Plötzlich stolz auf die Vielfalt der Kulturen auf der Welt, wollen sie ihr „Hochgefühl“ weitergeben. „Wir wollen so viel Liebe und positive Einstellung wie möglich vermitteln. Wir sind Heiler“, sagt Lamb. Deshalb kämpfen die beiden heute lieber für die Legalisierung von Marihuana als die Zukunft der weißen Rasse. Ihre Platten bis 2006? Die nennen Lynx und Lamb heute mit erst 19 Jahren „Jugendsünden“. Als „Landeier“ hätten sie einen beschränkten Horizont gehabt, meint Lamb.
Neonazi-Mutter April, die den beiden von klein auf beim Hausunterricht die „rassische Identität“ eingebläut hat, hofft, dass die „Hippie-Phase“ ihrer Töchter bald vorbei ist und sie das braune Gedankengut durchs Kiffen nicht vergessen. „Wenn sie Kinder haben, werden sie die gleichen Schlüsse ziehen wie ich.“ Sollte sie (ausnahmsweise) mal mit am Joint ziehen? DÖ
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