Abzocke auf Rezept

Medizin-Mafia ergaunerte 628.000 Euro

Sanitätshausbetreiber Stefan P. (53) schröpfte mit sechs Ärzten Krankenkassen

Kerstin Rebien
Lesezeit 2 Min

Schwerfällig erhob er sich von der Anklagebank. Vorbei ist das Leben in Saus und Braus, das er laut Ermittler geführt haben soll. Seit Oktober sitzt Stefan P., der als Betreiber von Sanitätshäusern gleich sechs Standorte hatte, in U-Haft. Nun packte der Abzocker aus.

Der Schwindel lief nur, weil sich auch Ärzte gesundstoßen wollten. Stefan P.: „Der Hauptpunkt lag bei Dr. C.“ Ihm sei C. als einer empfohlen worden, „der Rezepte problemlos ausstellt“. P. will in dessen Praxis „schuhkartonweise Blanko-Rezepte“ gesehen haben.

Ein Abzocke-System mit vielen Helfern. Stefan P.: „Es gab Leute, die Krankenkassenkarten besorgten.“ Da habe sich ein Ali aus Neukölln besonders hervorgetan: „Ein Araber, gilt als Größe im zwielichtigen Milieu.“ Mehrere hundert Karten soll Ali „beschafft“ und 250 Euro pro Stück kassiert haben. Für die Karten-Inhaber gab es 10 bis 100 Euro.

Die Chip-Karten, die sich die Beschaffer meistens in ihrem Bekanntenkreis für ein paar Tage borgten, gingen an die Komplizen im Arztkittel – sechs Mediziner stehen unter Verdacht. Sie sollen nach Vorgaben von P. Rezepte über Orthopädie-Artikel ausgestellt haben, ohne dass sie die jeweiligen Patienten sahen.
Für Stefan P., gelernter Chemieingenieur und Kaufmann, ist es die zweite Tatserie. Bereits 2011 stand er vor Gericht, weil er bei gesetzlichen Krankenkassen „Luftrezepte“ abgerechnet und Angaben zufolge 93 400 Euro kassiert hatte. Er sprach damals von einem „finanziellen Engpass“ und kam milde davon: zwei Jahre Haft auf Bewährung.
Dennoch war Stefan P. in der Branche weiterhin mit großen Schritten unterwegs. Ab November 2012 erneut kriminell: Wieder sollten seine Geschäfte auf Kassen-Rezept aufgepäppelt werden. Bis ihn Patienten, die von verschriebenen Einlagesohlen nichts wussten, anzeigten. Fortsetzung: Mittwoch. KE

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema