Absurde Debatte

Der Unsinn mit der Leitkultur

Deutschland ist ein Land, das seinen Bürgern nicht vorschreibt, wie sie leben sollen.

Michael H. Spreng
Lesezeit 2 Min
Innenminister Thomas de Maizière.

Innenminister Thomas de Maizière.

© dpa

Als die protestantischen Hugenotten aus Frankreich nach Preußen flüchteten, sagte Friedrich der Große ihnen und seinen Landsleuten: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Ein wunderbares Signal der Toleranz.

Schade, dass der Nachfahre eingewanderter Hugenotten, Innenminister Thomas de Maizière, daraus nichts gelernt hat. Er belebt 277 Jahre danach die unsinnige Debatte um eine deutsche Leitkultur. Dazu gehöre Bildung, dass man sich die Hand gebe, seinen Namen nenne, und dass man auf Leistung stolz sei.

Wenn dies stimmen würde, verstießen Hunderttausende Deutsche gegen die Leitkultur – und das mit Recht. Denn kein Mensch ist verpflichtet, sich an solche Vorgaben und Regeln zu halten, wie sie de Maizière formuliert. Deutschland ist ein freies Land, das seinen Bürgern nicht vorschreibt, wie sie leben sollen.

Die Beispiele zeigen, wie absurd diese Debatte ist. In Deutschland gibt es nur eine verbindliche Leitkultur: das Grundgesetz sowie die Gesetze und Verordnungen, die das Zusammenleben der Menschen regeln. Die Hand zu geben, gehört nicht dazu.

Die Überschrift, die der Minister seinen Gedanken gegeben hat („Wir sind nicht Burka“), zeigt, dass es sich um ein Wahlkampfmanöver handelt, um rechts Stimmen zu fischen. Es wird wenig nützen, denn in Wirklichkeit ist es eine Verbeugung vor der AfD.

Besser wäre es gewesen, de Maizière hätte Friedrich II. und das Grundgesetz zitiert („Die Würde des Menschen ist unantastbar“). Das hätte gereicht. Im Kampf gegen die AfD hätte er noch einen anderen Gedanken von Friedrich dem Großen zitieren können.

Der hatte nämlich auch gesagt, wenn Türken und Heiden kämen, sollte man ihnen Moscheen und Kirchen bauen. Das wäre der angemessene Ton in der Auseinandersetzung mit der AfD.

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