Sie waren die sozialistische Antwort auf West-Comics wie Micky Maus und Bückware in der DDR – die knollennasigen Mosaik-Kobolde Abrafaxe. Ihr Papa Lothar Dräger (89) ist jetzt gestorben. Doch seine Helden leben weiter und bringen jeden Monat tausenden Fans Freude.
Das Kult-Comic „Mosaik“ wurde 1955 erschaffen, weil die DDR-Bürger damals West-Comics wie Micky Maus oder Tim und Struppi vor den TV-Geräten verschlangen – vorausgesetzt, man konnte das West-Fernsehen überhaupt empfangen. Einen Tag vor Heiligabend war es soweit. Das erste „Mosaik“-Heft erschien.
Damals hießen die drei Helden noch „Dig, Dag und Digedag“ – geschaffen vom Grafiker Hannes Hegen (1925 – 2014). Doch nach einem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes schmiss Hegen 1975 hin und nahm die Rechte auf die Digedags mit.
Neue Comic-Helden brauchte das DDR-Land. Sie sollten nicht nur Wissen und Kulturgeschichte vermitteln, sondern auch politisch unabhängig sein. Eine verzwickte Sache für den neuen Macher Lothar Dräger als künstlerischen Leiter.
Gemeinsam mit der Grafikerin Lona Rietschel erfand er die Abrafaxe und schickte sie verstärkt ins westliche Ausland – nach Paris, Venedig oder London.
Im Dezember 1975 erschien das erste Heft. Gelernte DDR-Bürger konnten ziemlich neidisch werden, wohin Blondschopf Abrax, Rotrübe Brabax und Fusselbirne Califax überall hin reisten durften. Aus Büchern oder aus heimlich gemachten Kopien aus dem eingeschleusten National Geographic hatten sich Dräger und sein Team die Infos über „Feindesland“ besorgt.
Bis 1991 wurden die Knollnasen in dem hellen Atelier im oberen Stockwerk im Verlag Junge Welt (Mauerstraße) gezeichnet. Auch andere beliebte Kinderzeitschriften wie „Frösi“, „ABC-Zeitung“, „Trommel“, und „Bummi“ entstanden hier.
Als der Verlag ab 1991 abgewickelt wurde, war Dräger schon ein Jahr im Ruhestand. Doch das Schreiben konnte er nicht lassen.
Ab 2002 erschienen seine Sonderromane samt den Geschichten um „Ritter Runkel“, die er im Verlag Mosaik Steinchen für Steinchen veröffentlichte – der Verlag, der Drägers Werk heute mit neun Zeichnern, einem Haupt-Texter und Co-Textern fortführt. Jeden Monat erscheint ein neues Mosaik-Heft (Auflage: 70.000) – sogar in Österreich, Belgien, Spanien und Italien.
Bei seinem letzten Interview sagte Lothar Dräger dem KURIER, dass er 100 Jahre alt werden will und „Ritter Runkel“ noch mal auf Abenteuerreise schicken will. Das war im November 2015. Das Schicksal hat ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht.
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