Weil seine Eltern kein Telefon hatten, schickte er die Postkarte „Das abendliche Berlin“ mit sechs kleinen Fotos: Siegessäule, Funkturm, Kurfürstendamm, Kongresshalle, Deutsche Oper und Ernst-Reuter-Platz.
Er berichtet auf der Karte, dass er die Stadt entdecken konnte, dass er im Ostteil der Stadt war, und dass er nach seiner Rückkehr Weiteres berichten würde.
Die Postkarte mit Motiven aus dem Westen Berlins, aufgenommen um 1970 herum.
© SWR Südwestrundfunk
Doch trotz ordnungsgemäßer Frankierung mit einer 30-Pfennig-Marke der Deutschen Bundespost Berlin kam die Karte erst jetzt in der Pfalz an, rechnerisch mit einer Geschwindigkeit von 1,6 Metern pro Stunde.
Ralfs Vater Otto (87) ist verblüfft, dass der Karten-Gruß seines Sohnes so lange gebraucht hat. Denn eine zweite Karte, an seinen Bruder und seine Schwägerin gerichtet und ebenfalls am 14. August 1971 abgestempelt, wurde damals schnell zugestellt.
Wer die Karte jetzt bei Herrmann im 30 Kilometer von Kaiserslautern entfernten Quirnbach durch den Briefschlitz in der Tür gesteckt hat, ist unklar. Auf Anfrage der SWR-Landesschau, einer Entsprechung der RBB-Abendschau, erklärte die Post: Es hätte einen Vermerk auf der Karte gegeben, wenn ein Mitarbeiter die Verzögerung bemerkt hätte. Dass die Karte im zuständigen Postamt verbummelt und jetzt zufällig aufgetaucht sei, könne auch nicht sein, da die Postfiliale gar nicht mehr existiert.
Otto Herrmann äußert allerdings gegenüber dem KURIER eine Idee, was geschehen sein könnte. Vor vier Jahren sei das örtliche Postamt aufgelöst worden, Mobiliar abgegeben beziehungsweise entsorgt worden. Da könnte es sein, dass jemand die Karte in einem Winkel eines Möbels gefunden und jetzt bei ihm eingesteckt habe.
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