61 Millionen Euro Finanzspritze

Hertha jubelt über Sensations-Deal

Der US-Finanzriese KKR glaubt an eine große Zukunft der Blau-Weißen und Hertha ist auf einen Schlag schuldenfrei.

Wolfgang Heise
Lesezeit 3 Min
Hier jubeln Herthas Profis über einen Bundesliga-Sieg. Doch für den ganzen Verein war gestern ein Feiertag.

Hier jubeln Herthas Profis über einen Bundesliga-Sieg. Doch für den ganzen Verein war gestern ein Feiertag.

© imago Lizenz

Wann ging der Mega-Deal über die Bühne?

Am Freitag um 13.28 Uhr! Manager Michael Preetz: „Zu dieser Uhrzeit gab es die letzte entscheidende Unterschrift.“ Doch die Verhandlungen liefen schon lange hinter den Kulissen. Vor zwei Jahren gab es bereits den ersten Kontakt zu dem Investor aus New York. Herthas Finanz-Boss-Ingo Schiller: „Die letzten sechs Monate waren dann sehr intensiv.“

Mischt sich der Geldgeber in Sport und Vereinspolitik ein?

Nein! Er erhält 9,7 Prozent der Aktien der Hertha-KGaA und ist damit nur stiller Teilhaber. Lediglich ein KKR-Manager wird einen Hertha-Aufsichtsratsposten bekommen - mehr nicht. Ein Insider verrät: „KKR hat bei den Verhandlungen sogar auf eigene Zurückhaltung bestanden.“

Warum steigt so ein Finanz-Multi ein?

Bestimmt nicht aus Nächstenliebe. Klar, wollen die Amis mit Hertha Kohle machen. Für den Verein sind 61,2 Millionen Euro jede Menge Geld, für die KKR ist es eine kleine Investition. Preetz: „Wir setzen auf Wachstum des Vereins und die KKR auch.“ Der Geldgeber will auf lange Sicht Gewinn machen. Zur Zeit ist Hertha 220 Millionen Euro wert, dieser Wert soll mindestens in den nächsten sieben Jahren verdoppelt werden. Dann kann der Investor durch die Wertsteigerung der jetzt gekauften Anteile und das preiswerte Vorkaufsrecht für weitere rund 23 Prozent an Anteilen auch kräftig verdienen.

Was passiert mit den 61,2 Millionen Euro genau?

Die 36,8 Millionen Euro Schulden werden sofort beglichen. Hertha steckt ab jetzt nicht mehr an der Zinsenfalle. Bisher ging ein hoher einstelliger Millionenbetrag pro Jahr für den Schuldendienst drauf. Dazu werden andere Vermarktungsrechte zurückgekauft (zum Beispiel die Catering-Rechte). Preetz: „Wir geben jetzt keine Millionen für Superstars aus. Wir behalten unseren Finanzkurs bei. Keine teuren Stars, wir setzen auf unsere Jugendarbeit. Aber natürlich haben wir jetzt ein bisschen mehr Spielraum. Wir wollen uns in der Bundesliga in den nächsten Jahren etablieren und dann nach Europa schauen.“

Kann jetzt Stürmer Adrian Ramos leichter gehalten werden?

Ja, mit der Finanzspritze kann Hertha auf die Gehaltsforderungen von Ramos eingehen, wenn es um die Verlängerung seines Vertrages (bisher bis 2015) geht. Andere Klubs, die Ramos haben wollen, müssen sich jetzt strecken. Denn Hertha muss nicht mehr durch Spielerverkäufe Kasse machen.

Müssen die Hertha-Mitglieder ihr Okay geben?

Nein! Schiller: „Es handelt sich nur um den Verkauf von Aktien der Hertha KGaA, dafür ist eine Abstimmung auf einer Mitgliederversammlung nicht notwendig.“

Wie glücklich sind Präsident Werner Gegenbauer, Preetz und Schiller über den Coup?

Sehr, sehr glücklich! Gegenbauer stellt fest: „Das ist eine bahnbrechende Vereinbarung für die Zukunft. Die finanzielle Situation ist nicht mehr zu vergleichen wie sie gestern noch war.“ Preetz: „Das ist ein Meilenstein für Hertha BSC. Das ist ein Quantensprung. Es ist ein historischer Tag, der mich unheimlich stolz macht.“ Und Schiller ergänzt: „Ich arbeite seit 1998 bei Hertha, seit 16 Jahren. Das ist für mich der schönste Tag bisher.“

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