568.860 Taten in Berlin

KURIER gibt der Kriminalstatistik ein Gesicht

Weniger Tötungsdelikte, mehr Körperverletzungen, veränderte Sicherheitslage

Alexander Schmalz Andreas Kopietz
Lesezeit 3 Min

KURIER gibt den Opfern ein Gesicht

Opfer eines Möchtegern-Rockers Familienvater Kadir D. (32) wird am 3. September 2016 am Kotti von Hells-Angels-Anwärter Koray A. (22) erschossen.

Opfer eines Möchtegern-Rockers Familienvater Kadir D. (32) wird am 3. September 2016 am Kotti von Hells-Angels-Anwärter Koray A. (22) erschossen.

© privat

Opfer einer Prügel-Attacke Benny Neumann (29) wird am 13. August 2016 verprügelt, weil er auf einer Schlagerparty seine Mutter beschützen will.

Opfer einer Prügel-Attacke Benny Neumann (29) wird am 13. August 2016 verprügelt, weil er auf einer Schlagerparty seine Mutter beschützen will.

© Volkmar Otto

Seniorin mit Messer angegriffen Doris B. (77) wird Anfang des Jahres von einem Mann und einer Frau mit einem Messer und ihrer Gehhilfe attackiert

Seniorin mit Messer angegriffen Doris B. (77) wird Anfang des Jahres von einem Mann und einer Frau mit einem Messer und ihrer Gehhilfe attackiert

© Bernd Friedel

Opfer von Trickbetrügern Ralf Müllers (63) Gutscheinkarten werden im März 2016 von Betrügern über das Internet geknackt und leer geräumt.

Opfer von Trickbetrügern Ralf Müllers (63) Gutscheinkarten werden im März 2016 von Betrügern über das Internet geknackt und leer geräumt.

© Eric Richard

Denn trotz der wachsenden Einwohnerzahl hat die Zahl der registrierten Straftaten in Berlin nicht zugenommen. Am Montag wurde die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Insgesamt wurden 568860 Delikte registriert. Das waren sogar etwas weniger als im Vorjahr. Aber: Die Aufklärungsquote der Polizei sank auf einen Tiefstand von 42 Prozent. 2007 lag sie noch bei 50 Prozent. Das hängt stark mit den vielen Taschen- und Fahrraddiebstählen zusammen, die ganz selten aufgeklärt werden.

Im vergangenen Jahr wurde weniger getötet. Die Polizei registrierte insgesamt 92 Fälle. Zwölf Monate zuvor waren es noch 112 Taten. Zu den aktuellen Fällen gehörten ein Attentat auf einen Rocker, der in Lichtenberg vom Motorrad geschossen wurde sowie ein Krebsarzt, der von einem seiner Patienten im Klinikum Steglitz getötet wurde. Sein Motiv: Er kam mit seiner Diagnose nicht klar und gab seinem Arzt die Schuld an seiner Krankheit.

Aufsehenerregend war auch der Anschlag auf einen Drogenhändler. Dessen Auto flog im morgendlichen Berufsverkehr auf der Bismarckstraße in Charlottenburg in die Luft. Der Fahrer überlebte den Anschlag nicht. Besonders alarmierend ist der erneute Anstieg beim Taschendiebstahl. 44 722 Mal wurden Berliner und Touristen bestohlen. Das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Nur 5,3 Prozent der Taten wurden aufgeklärt. Nach wie vor schlagen die Täter, die zumeist organisiert handeln, besonders gerne bei Großveranstaltungen, Volksfesten sowie in Bahnhofsvorhallen zu.

Die Polizei ermittelte 1758 Tatverdächtige. Davon waren gut 90 Prozent Ausländer. 40 Prozent hatten die rumänische Staatsangehörigkeit. Die Polizei konnte hier 227 Haftbefehle erwirken. Im Jahr zuvor waren es nur 126. Dies führt Polizeipräsident Klaus Kandt vor allem darauf zurück, dass die Justiz mehr als früher mitzieht: „Wir haben den Staatsanwälten die Lage vor Ort dargestellt, die durch bloßes Studium der Ermittlungsakten nicht vermittelbar ist“, sagt Kandt. Seit August schlage sich das auch in einer rückläufigen Entwicklung nieder, die sich auch in diesem Jahr fortgesetzt habe. Polizisten rieten gestern erneut dazu, auf die eigenen Taschen besser aufzupassen.

Ein Phänomen war auch im vergangenen Jahr der Autoklau. Trotz umfangreicher Sicherheitstechnik verschwanden insgesamt 7349 Autos. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Vor allem auf teure Fahrzeuge haben es die international organisierten Banden abgesehen, sagt die Polizei. Dennoch stehen auch Kleintransporter auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Dazu zählt der Caddy von VW. Vor allem in den unübersichtlichen Neubaugebieten in Marzahn suchen die Täter nach dem Lieferwagen. Das Angebot sei dort riesig. Und ein „Vorteil“ hat der Bezirk Marzahn außerdem. Die Anbindung zur osteuropäischen Grenze ist für die Diebe optimal ....

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