50 Jahre Mauerbau

Jüdischer Professor wurde zwei Mal vertrieben

50 Jahre Mauerbau bedeuten gleichzeitig tausende Schicksale. Wie das des jüdischen Professors Harry Schnur. Er verlor 1961 zum zweiten Mal seine Heimat.

BK
Lesezeit 2 Min
Der jüdische Altphilologe und US-Professor Harry Schnur

Der jüdische Altphilologe und US-Professor Harry Schnur

© Privatbesitz Rhoda Schnur Lizenz

Zuerst vertrieben ihn die Nazis, dann musste er das Grab seiner Großmutter in der DDR zurücklassen. Schnur wuchs in Pankow auf, 1933 emigrierte seine Familie aus Angst vor Hitlers Schergen. 28 Jahre später, am 13. August 1961, weinte er am Grab seiner Großmutter auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee – und bekam so den Mauerbau hautnah mit.

„Soldaten bauten die Mauer, nachdem sie Ziegelsägen hergestellt hatten. Gleichzeitig räumten sie Häuser, die unmittelbar an der emporwachsenden Mauer standen, damit niemand in die Freiheit springen konnte. Wir sahen zu, wie der Hausrat und das Gepäck der armen Leute auf Schubkarren, Handwagen und Dreirädern weggeschafft wurde“, schreibt Schnur in seinem Buch „Vallum Berolinense“.

Die Lohmühlenstraße in Alt-Treptow, 1988 und 2011 verschmolzen durch den KURIER-Grafiker. Wo heute Touristen-Boote über die Spree tuckern, war früher absolutes Todes-Gebiet.

Die Lohmühlenstraße in Alt-Treptow, 1988 und 2011 verschmolzen durch den KURIER-Grafiker. Wo heute Touristen-Boote über die Spree tuckern, war früher absolutes Todes-Gebiet.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

Der Übergang in der Invalidenstraße 1988 und 2011. Der KURIER-Grafiker fügte die Fotos aus beiden Jahren zusammen – viel verändert hat sich nicht.

Der Übergang in der Invalidenstraße 1988 und 2011. Der KURIER-Grafiker fügte die Fotos aus beiden Jahren zusammen – viel verändert hat sich nicht.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

Im Café Adler trafen sich Spione, Informanten und Journalisten. Aus dem eigentlich abrissreifen Gebäude hörte die CIA den Osten ab.

Im Café Adler trafen sich Spione, Informanten und Journalisten. Aus dem eigentlich abrissreifen Gebäude hörte die CIA den Osten ab.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

Der „verschmolzene“ Blick von der Oberbaumbrücke auf das Ost-Ufer. Rechts die alten Grenzanlagen, links der nach der Wende sanierte Speicher.

Der „verschmolzene“ Blick von der Oberbaumbrücke auf das Ost-Ufer. Rechts die alten Grenzanlagen, links der nach der Wende sanierte Speicher.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

Die Platte an der Ecke Voßstraße/Wilhelmstraße wurde 1988 errichtet. Der KURIER-Grafiker ließ Heute und Damals in einem Foto verschmelzen.

Die Platte an der Ecke Voßstraße/Wilhelmstraße wurde 1988 errichtet. Der KURIER-Grafiker ließ Heute und Damals in einem Foto verschmelzen.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

In Schwarz-Weiß: die Sebastianstraße auf der Westseite der Mauer im Jahre 1988. In Farbe: Ingeborg Skiba schaut 2011 von ihrem Balkon im Osten auf die Sebastianstraße.

In Schwarz-Weiß: die Sebastianstraße auf der Westseite der Mauer im Jahre 1988. In Farbe: Ingeborg Skiba schaut 2011 von ihrem Balkon im Osten auf die Sebastianstraße.

© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz

Schließlich, vom starken Regen pitschnass in Weißensee angekommen, verabschiedete sich der Altphilologe von seiner Oma, besuchte ein letztes Mal das Pergamonmuseum – dann verließ er Berlin, seine Stadt, seine Heimat, für immer...

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