„Schießen“, sagt Richard Hebstreit heute, „musste ich nie. Meine Kameraden und ich waren uns damals einig, dass wir das niemals tun könnten.“ Zwar starben allein an der Berliner Mauer, die 28 Jahre lang ein ganzes Volk einsperrte, über 130 Menschen – für den heute 65-Jährigen Hebstreit waren aber nicht alle Grenzsoldaten ferngesteuerte Werkzeuge des DDR-Regimes. „Wir waren keine schießwütigen Killer. Klar, es gab wie in jeder Armee Knallköpfe, die auf Zivilisten ballern. Aber Tausende haben eben auch absichtlich nicht geschossen.“
Stolz und stark fühlten sich er und seine Soldaten des Grenzregiments 35 aus Rummelsburg trotzdem. „Ein wenig waren wir wie kleine Mini-Rambos. Wir hielten uns für die Größten und konnten die Knarre in rasender Geschwindigkeit ziehen – das haben wir immer wieder geübt, wenn wir stundenlang an der Mauer standen.“ Auch wenn Hebstreit wusste, dass das AK 47 eine derartige Streueigenschaft besaß, bei der man beim Zielen auf die Füße auch gut und gerne den Kopf treffen konnte.
Die Lohmühlenstraße in Alt-Treptow, 1988 und 2011 verschmolzen durch den KURIER-Grafiker. Wo heute Touristen-Boote über die Spree tuckern, war früher absolutes Todes-Gebiet.
© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz
Der Übergang in der Invalidenstraße 1988 und 2011. Der KURIER-Grafiker fügte die Fotos aus beiden Jahren zusammen – viel verändert hat sich nicht.
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Im Café Adler trafen sich Spione, Informanten und Journalisten. Aus dem eigentlich abrissreifen Gebäude hörte die CIA den Osten ab.
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Der „verschmolzene“ Blick von der Oberbaumbrücke auf das Ost-Ufer. Rechts die alten Grenzanlagen, links der nach der Wende sanierte Speicher.
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Die Platte an der Ecke Voßstraße/Wilhelmstraße wurde 1988 errichtet. Der KURIER-Grafiker ließ Heute und Damals in einem Foto verschmelzen.
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In Schwarz-Weiß: die Sebastianstraße auf der Westseite der Mauer im Jahre 1988. In Farbe: Ingeborg Skiba schaut 2011 von ihrem Balkon im Osten auf die Sebastianstraße.
© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz
Doch wer denkt, die jungen Grenzer hätten in ihren Schichten nonstop mit Adleraugen aufgepasst, der irrt gewaltig. Ihre Hauptbeschäftigung: Langeweile vertreiben – mit Quatschen, Schlafen und Spannen!
So war der junge Hebstreit vor allem mit älteren Kameraden am Todesstreifen. „Wir haben viele nützliche Gespräche geführt, wo man was lernen konnte. Da wurde beschrieben, wie man Raufasertapete selber macht, die Zündung des Trabis einstellt“. Einmal wurde es besonders deftig: „Da hat ein älterer Kamerad die ganze Nacht erzählt, wie er es seiner Frau besorgt, wenn er im Urlaub ist und wie er es ihr besorgen will, wenn die Scheißarmeezeit vorbei ist.“
Die zweite Langeweile-Beschäftigung: „Fernsehen“. Mit Ferngläsern. „Mit Begeisterung sahen wir besonders nachts in die Wohnungen der Berliner Bürger.“ Und zwar gleichermaßen in Ost- und West-Schlafzimmer. „Mit der Zeit bildeten sich bedeutende Schwerpunkte der Beobachtung heraus und mancher Grenzabschnitt war stundenweise verwaist, weil da kein Grenzer war“, grinst Hebstreit.
Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, auf der internationalen Pressekonferenz am 15.06.1961 im Haus der Ministerien in Ost-Berlin. Hier fiel sein berühmter Satz "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", der nur wenige Wochen später durch den Beginn des Mauerbaus am 13.08.1961 ad absurdum geführt wurde.
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Ostberliner Arbeiter bewehren die Krone der Mauer in Berlin mit Glassplittern.
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Westberliner schauen an der Wilhelmstrasse in Berlin der Anlieferung vorgefertigter Betonbauteile zur Verstärkung der Berliner Mauer zu.
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Ein Ostberliner Polizist arbeitet an der Berliner Mauer.
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Bauarbeiter der DDR bei den letzten Arbeiten am Bau der Mauer in Vacha an der hessisch-thüringischen Grenze, aufgenommen am 03.06.1962.
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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) enthüllt zum Auftakt der Berliner Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am Grenzwachturm Schlesischer Busch in Berlin ein Mauerbild.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
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Eine Frau liest in Berlin vor der Mauer in der Bernauerstrasse ein Buch.
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht in Berlin im Bundesfinanzministerium bei der Gedenkveranstaltung im Vorfeld des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer. Die Veranstaltung fand in dem Saal statt, in dem der ehemalige Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, am 15.06.1961 bei einer Pressekonferenz den Satz "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", sagte.
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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) spricht in Berlin im Bundesfinanzministerium bei einer Gedenkveranstaltung im Vorfeld des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer.
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„Die standen in irgendeinem Hinterhof und sahen aus fünf Metern Entfernung mit dem Fernglas in das Schlafzimmer von ,Silvia’ und warteten bis ,Silvia’ mit dem Fernsehen fertig war und mit ,Heinz’ ins Schlafzimmer zur ehelichen Verrichtung ging. Wir hatten dann manchmal ein Porno-Theaterstück für zwei Zuschauer.“
Verharmlosen will Richard Hebstreit mit solchen Geschichten die Mauer nicht. Im Gegenteil. Noch heute sagt er: „Ich hatte einfach Riesenglück, nie schießen zu müssen...“
Er plante eine elektronische Wunder-Mauer: DDR-Staatschef Erich Honecker (1912-1994) wollte in den 80er-Jahren statt mit Schusswaffen ...
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... nun mit teuren Hightech-Systemen die flüchtenden DDR-Bürger zur Strecke bringen.
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Diese Infrarotlicht-Schranken, ...
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... die schon Stasi-Objekte sicherten, sollten an der Mauer zum Einsatz kommen.
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Eine Zeichnung einer Mikrowellenschranke als „unsichtbare Grenzlinie“, die beim Überschreiten sofort Alarm auslöste.
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Auch neue Wachtürme waren geplant. Der Prototyp stand am S-Bahnhof Friedrichstraße.
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