In Schwarz-Weiß: die Sebastianstraße auf der Westseite der Mauer im Jahre 1988. In Farbe: Ingeborg Skiba schaut 2011 von ihrem Balkon im Osten auf die Sebastianstraße.
© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz
Ingeborg Skiba auf ihrem Balkon. Hier lebt sie seit 50 Jahren.
© Thomas Lebie Lizenz
Aus diesem Keller in der Sebastianstraße 82 buddelte sich Dieter Hötger 1962 Richtung Osten.
© imago Lizenz
Der Berliner KURIER erinnert in einer sechsteiligen Serie an jenen verhängnisvollen Sonntag im Hochsommer 1961, erzählt bewegende Zeitzeugen-Geschichten. Heute von Ingeborg Skiba und „Tunnel-Dieter“. Die beiden haben sich nie im Leben gesehen, sie verbindet die Sebastianstraße. Ein Asphaltstreifen, der das Leben der beiden prägte. Skiba wohnt seit 50 Jahren hier, Hötger buddelte sich von West nach Ost ...
Heinrich-Heine-Straße 48 in Mitte. Nachdenklich steht Ingeborg Skiba auf ihrem Balkon im zweiten Stock, schnuppert an rosafarbenen Geranien, wirft einen Blick auf die Nachbarn im gegenüberliegenden Haus. Eine alltäglich Szene im August 2011, die 28 Jahre lang undenkbar gewesen ist. Auf ihren Balkon durfte die rüstige Rentnerin zu DDR-Zeiten nämlich nicht. Das Gründerzeit-Haus auf der anderen Straßenseite lag zwar nur 20 Meter Luftlinie entfernt – doch es stand in einer für sie unerreichbaren Welt. In West-Berlin.
Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, auf der internationalen Pressekonferenz am 15.06.1961 im Haus der Ministerien in Ost-Berlin. Hier fiel sein berühmter Satz "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", der nur wenige Wochen später durch den Beginn des Mauerbaus am 13.08.1961 ad absurdum geführt wurde.
© dpa Lizenz
Ostberliner Arbeiter bewehren die Krone der Mauer in Berlin mit Glassplittern.
© dapd Lizenz
Westberliner schauen an der Wilhelmstrasse in Berlin der Anlieferung vorgefertigter Betonbauteile zur Verstärkung der Berliner Mauer zu.
© dapd Lizenz
Ein Ostberliner Polizist arbeitet an der Berliner Mauer.
© dapd Lizenz
Bauarbeiter der DDR bei den letzten Arbeiten am Bau der Mauer in Vacha an der hessisch-thüringischen Grenze, aufgenommen am 03.06.1962.
© dpa Lizenz
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) enthüllt zum Auftakt der Berliner Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am Grenzwachturm Schlesischer Busch in Berlin ein Mauerbild.
© dpa Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Segmente der Berliner Mauer stehen am Teltow Kanal nahe der brandenburgischen Stadt Kleinmachnow an der Berliner Stadtgrenze.
© dapd Lizenz
Eine Frau liest in Berlin vor der Mauer in der Bernauerstrasse ein Buch.
© dapd Lizenz
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht in Berlin im Bundesfinanzministerium bei der Gedenkveranstaltung im Vorfeld des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer. Die Veranstaltung fand in dem Saal statt, in dem der ehemalige Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, am 15.06.1961 bei einer Pressekonferenz den Satz "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", sagte.
© dapd Lizenz
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) spricht in Berlin im Bundesfinanzministerium bei einer Gedenkveranstaltung im Vorfeld des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer.
© dapd Lizenz
„Ich erinnere mich an den Mauerbau, als wäre es gestern gewesen. Ich kam gerade von meiner Schicht bei der Post. Und plötzlich fuhrwerkten Bauarbeiter im Hinterhof herum“, so die 77-Jährige heute. Ob es Fluchtgedanken gab, fragt der KURIER-Reporter – und erntet einen strengen Blick. „Warum dass denn?“, fragt Frau Skiba. „Ich hatte doch alles.“ Seit 50 Jahren lebt sie in dem Block, der bis 1989 im äußersten Grenzgebiet lag. „Damals wurden Passierscheine ausgestellt. Die mussten wir aber nur die ersten Wochen vorzeigen – danach kannten uns die Grenzer. Und wir die.“
Spontanbesuche, Geburtstagsfeiern, mal eben Freunde oder Verwandte ins gemütliche Wohnzimmer einladen – tabu. Aber: „Natürlich haben wir ab und zu nach drüben gewunken. Wir durften uns halt nicht erwischen lassen.“ Erwidert wurden die netten Gesten selten. Im Gegenteil. Zwei Mal fürchtete Ingeborg Skiba um ihr Leben. „Irgendwelche Idioten haben uns aus dem gegenüberliegenden Haus die Fenster kaputtgeschossen. Mit einem Luftgewehr!“
Er plante eine elektronische Wunder-Mauer: DDR-Staatschef Erich Honecker (1912-1994) wollte in den 80er-Jahren statt mit Schusswaffen ...
© zVg Lizenz
... nun mit teuren Hightech-Systemen die flüchtenden DDR-Bürger zur Strecke bringen.
© zVg Lizenz
Diese Infrarotlicht-Schranken, ...
© zVg Lizenz
... die schon Stasi-Objekte sicherten, sollten an der Mauer zum Einsatz kommen.
© zVg Lizenz
Eine Zeichnung einer Mikrowellenschranke als „unsichtbare Grenzlinie“, die beim Überschreiten sofort Alarm auslöste.
© zVg Lizenz
Auch neue Wachtürme waren geplant. Der Prototyp stand am S-Bahnhof Friedrichstraße.
© zVg Lizenz
Wechsel in eben jenes Haus auf der gegenüberliegenden Seite. Sebastianstraße 82, Kreuzberg. Nachdenklich steht Dieter Hötger im Keller. Es ist dunkel, riecht muffig. Hier begannen für den heute 71-Jährigen die dramatischsten Minuten seines Lebens. Seine Geschichte: Am 28. Juni 1962 haben es Hötger und Siegfried Noffke geschafft – nach sechs Wochen sind sie mit ihrem Tunnel (35 Meter) unter dem Todesstreifen in der Heinrich-Heine-Straße 49 angelangt, dem Nebenaufgang von Ingeborg Skiba. Ihr Ansporn: Sie wollen ihre Familien in den Westen rüberholen. Doch statt derer warten am Ende des Tunnels acht Stasi-Mitarbeiter. Darunter: Herbert Lehmann und seine Kalaschnikow. „Durch Versagen der Nerven“ (so steht es in den Stasi-Akten) habe der „Genosse Lehmann das Feuer auf die Banditen eröffnet.“ Er richtet ein Blutbad an. Hötger: „Ich bin gleich nach hinten gekippt durch den Lungensteckschuss, und habe noch gesehen, wie der Noffke im Tunnel starr war...“
Während sein Helfer auf dem Weg ins Haftkrankenhaus stirbt, überlebt Hötger schwer verletzt, landet im Stasi-Knast Bautzen II. Nach fünf Jahren flieht er, als einziger Insasse überhaupt. „Ich habe einem Wärter einen Schraubenzieher geklaut und damit in meiner Arbeitszelle im Erdgeschoss acht Wochen lang den Mörtel rausgekratzt.“ Durch das Loch zwängt er sich 1967 in die Freiheit, neun Tage später wird er geschnappt. 1972 kauft ihn der Westen frei. Und: Der Freund, der ihn und seinen Tunnel verriet, bekam in der DDR einen Orden und 3000 Mark Belohnung ...
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com