Früher haben sie ihn als hervorragenden Baustoff gefeiert. Asbest war stabil und gut für die Wärmedämmung. Doch er ist bekanntlich schädlich und deswegen seit 1993 verboten. Die Asbestfasern, die kleiner sind als ein menschliches Haar, können eingeatmet werden. Sie sind krebserregend oder können andere Erkrankungen auslösen, lebensbedrohlich sein.
Doch die Wohnungen, in denen Asbest verbaut wurde, stehen noch immer. Es sind genau 41.585. Im früheren West-Berlin sind es mehr als im Osten. Hier wurde eine Bodenplatte verarbeitet, die es in der DDR nicht gab.
Andreas Otto (Grüne) hatte beim Senat nachgefragt und die Zahlen erhalten. Er schätzt die Dunkelziffer der Asbest-Wohnungen noch höher. Nur fünf von sieben Wohnungsbaugesellschaften haben dem Senat Auskunft gegeben. Diese Gesellschaften gehören der Stadt. Von privaten Vermietern gibt es keine Auskunft.
Die Degewo meldete 19.711 Wohnungen, die unter Asbest-Verdacht stehen. Bei der Gewobag sind 17.100 Wohnungen betroffen, bei Stadt und Land 3350, bei Berlinovo 559. WBM meldet 865 Wohnungen in Spandau und Kreuzberg.
Gefährlich wird es, wenn die Asbest-Platten kaputt gehen. „Dann muss der Vermieter oder der Senat informiert werden. Betroffene haben Anspruch auf eine Übergangswohnung“, sagt Otto. Mieter, die im Westen der Stadt wohnen, müssen wachsam sein. Laut Statistik sind in Neukölln 8305 Wohnungen betroffen, in Tempelhof-Schöneberg stehen 8087 unter Verdacht, 5767 Wohnungen in Spandau. Etwas geringere Zahlen wurden für andere West-Bezirke angegeben. Die Angaben schwanken zwischen 4700 und 2700. Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg zählen auch dazu.
Der restliche frühere Osten kann hingegen fast asbestfrei durchatmen. In Marzahn-Hellersdorf stehen 559 Wohnungen unter Verdacht, in Treptow-Köpenick sind es sieben. Pankow und Lichtenberg liegen sogar bei null.
Der Senat wird in den nächsten zwei Jahren eine Asbest-Beratungsstelle für Mieter einrichten und noch mehr Wohnungen sanieren.
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